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Thema: Alltag & Extreme

Kirchentag Bremen, Deutschland (2009)

Alltagstrott around the world

Ich kann nicht länger als 2 Wochen an einem Ort sein, ohne neue Abenteuer zu erleben. Ohne etwas Neues zu entdecken. Meinen Horizont zu erweitern. Ob ich dann an Orte reise, die ich noch nicht kenne, oder zu mir bereits bekannten Orten reise, spielt keine Rolle. Hauptsache raus aus dem augenblicklichen Leben, neuer Input soll rein. Aber so sehr ich dem schnöden Alltagstrott entfliehen möchte, so sehr schätze ich ihn auch. Klingt paradox?

In den letzten drei Jahren bin ich viel rumgekommen in der Welt. Okay, eigentlich nur in Asien, aber immerhin! Durch die häufigen Reisen zu den unterschiedlichsten Orte in den verschiedensten Ländern dieser Welt und die damit verbundenen Herausforderungen habe ich vieles über mich selbst gelernt, Neues an mir entdeckt. Ich habe gelernt mit bestimmten Situationen entspannter umzugehen. Ich habe erlernt meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und zu erfüllen. Ich brauche das Abenteuer, aber ich brauche auch die Stabilität des Alltags. Es gibt einfach gewisse Dinge, die ich machen MUSS, um mich wohl zu fühlen und um mit meiner MS und all ihren miesen, fiesen Begleiterscheinungen zu leben. In den letzten Monaten habe ich dabei unbewusst gewisse Routinen entwickelt, die ich tagtäglich abspule und auch auf meinen Reisen lebe. Egal, ob ich in Ubud (Bali) in meinem Homestay bin, auf Gili Trawangan (Indonesien) in meinem Bungalow residiere, oder in Halong Bay (Vietnam) auf einem Schiff untergebracht bin, die Abläufe bleiben immer gleich.

Halong Bay, Vietnam (2016)
Halong Bay, Vietnam (2016)

Wie sehen die denn aus, diese Abläufe?!
Sobald ich in meiner neuen Unterkunft angekommen bin, fängt mein innerlicher Automatismus an zu funktionieren. Die Handgriffe sind bereits einstudiert und laufen ganz automatisch ab. Zuerst wird die Kulturtasche ins Bad oder auf einen Tisch gestellt. Schlafsachen werden auf dem Bett platziert, auf dem Nachttisch liegen meine Ohropax bereits griffbereit. Handyladekabel wird in die Steckdose gesteckt und der Rucksack wird in „seiner“ Ecke platziert. Erst dann fühle ich mich wohl. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich eine oder fünf Nächte in meinem neuen Zuhause auf Zeit verbringe. Vielleicht liegt es daran, dass ich manchmal ein kleiner Ordnungsfanatiker bin: „Jep, I got that from my Mama“. Es gibt mir einfach ein gutes Gefühl, alle meine Habseligkeiten an „ihrem Platz“ zu sehen. Ich finde, es spiegelt auch das Innerste wieder. Wenn es mir nicht gut geht, ein Chaos in mir herrscht, dann gleicht auch mein Umfeld einem Chaos. Kennst du das?
 

Laras Türhaken
Meine Ordnung, Thailand (2017)

Morgenroutine vs. Morgenmuffel

Ich versuche eigentlich nicht später als 9 Uhr aufzustehen, egal ob ich auf Reisen oder Zuhause bin. Jaaa, 9 Uhr ist jetzt nicht gerade früh, aber durch meine Schlafstörungen schlafe ich nie vor 1 Uhr nachts ein und ich brauche halt meine acht Stunden Schlaf! Nachdem ich aus meinem Schönheitsschlaf erwacht bin, wird erst mal das Handy gecheckt – allem voran Instagram, Facebook und YouTube. Machst du das auch? Ja? Gut, ich wusste ja, dass ich nicht die Einzige sein kann, die sofort nach dem Aufstehen gefühlte Stunden am Handy vertrödelt! ☺

Wenn ich dann endlich mal aus den Federn gehüpft bin, gilt der ersten Gang meist der Toilette. Blasenschwäche, hallo MS! Das ist auch immer und überall gleich. Jetzt aber schnell Zähnchen putzen, duschen, anziehen, schminken, Bett machen. Ja, das mache ich tatsächlich mittlerweile jeden Tag. Also nicht die Bettwäsche wechseln, nur hübsch zurechtmachen. Ich freue mich dann immer abends, wenn ich in ein ordentlich gemachtes Bett schlüpfe! ☺

Mittlerweile habe ich mir auch angewöhnt, nach meiner Morgenroutine sofort etwas zu essen, obwohl ich meist keinen Hunger habe. Deshalb buche ich gerne Unterkünfte, in denen Frühstück inklusive ist, damit ich gar nicht erst stundenlang in einer fremden Umgebung auf Nahrungssuche gehen muss. Früher habe ich nieeee gefrühstückt und war dann natürlich nach wenigen Stunden völlig ausgelaugt und kaputt. Das will ich mittlerweile vermeiden, also stopfe ich ein bisschen was in mich rein. Man wird ja nicht nur älter, sondern auch weiser. Stimmt’s?

Haferflocken mit Sojamilch, Kiwi, Banane & Weintrauben
Haferflocken mit Sojamilch, Kiwi, Banane & Weintrauben - Zuhause in Thailand (2017)

Müde bin ich, geh zur Ruh … oder auch nicht?

Die erwähnten Schlafstörungen beeinflussen meinen gesamten Tagesablauf. Zusammen mit der ollen Fatigue lassen sie mich zu einem schläfrigen Baby werden, dabei war und bin ich eigentlich ein nicht zu bändigendes Energiebündel! Außerdem ist mein Biorhythmus so programmiert, dass ich ab ca. 15 Uhr nachmittags immer müde werde. Könnte dann immer ein Schläfchen halten, egal ob ich grad auf Gili Meno am Strand chille, mir in Bangkok Wat Arun angucke oder Zuhause meine Videos schneide. Ich gönne mir dann meist eine kleine Pause (manchmal auch mehrere), schlafen möchte ich dann aber nicht. Habe nämlich Angst, dass ich dann abends nicht vernünftig einschlafen kann. Ist aber eigentlich völlig schnurz piepe, ob ich ein Schläfchen halte oder nicht – gut einschlafen kann ich trotzdem nie. Pünktlich ab 20 Uhr verschwindet nämlich meine Müdigkeit und weicht grenzenlosem Tatendrang. 1000 Ideen entspringen meinem Kopf, 1000 Dinge wollen erledigt werden. Am besten alle gleichzeitig. Außerdem bin ich ein „overthinker“, ich zerbreche mir ständig mein Köpfchen über Dinge, die es eigentlich gar nicht wert sind, dass ich nur einen einzigen Gedanken an sie verschwende.

Nachdem ich dann also brav meine Zähnchen geputzt, mein Gesicht gewaschen und meine Haare gekämmt habe, kuschele ich mich in mein Bettchen. Und liege wach. Und werde wacher. Und will noch dies erledigen. Und das. Und das muss ich auch noch machen. War das eigentlich damals, am 27. Oktober 2008, richtig, was ich gemacht habe? Hätte ich am 25. August 2011 nicht anders reagieren können? Warum nennt man eine Gardine eigentlich Gardine?

Du verstehst, worauf ich hinaus will, nicht wahr? Extrem anstrengend, diese Schlafstörungen. Gerade wenn ich auf Reisen bin, ist es noch schwieriger für mich einzuschlafen. Deshalb habe ich mir ein paar kleine Methoden überlegt, die ich mittlerweile in meinen Alltag integriert habe und überall auf der Welt anwenden kann. Ich stehe dann einfach nochmal auf und schreibe eine To-Do-Liste, damit mein Kopf ein bisschen freier wird und sich meine Gedanken sortieren. Gegen die blöden Gedanken habe ich auch eine tolle Lösung gefunden – ich schreibe jeden Abend auf, was am Tag schön war und wofür ich dankbar bin. Dann sehe ich schwarz auf weiß, dass der Tag doch nicht ganz so grau war – eher bunt & wundertoll! Meist kann ich danach mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen! ☺

Lara beim Schlafen
Northeim, Deutschland (2007)

Warum dir das alles so bekannt vorkommt?

Vielleicht hast du bereits meine Videos auf dem YouTube Kanal von MS-Persönlich gesehen? Ja? Cool! ☺ Nein? Auch völlig okay! ☺ Du willst sie aber mal sehen? Gerne!

Hier sind die Links für dich:

● Meine Morgenroutine

● Ein typischer Nachmittag

● Meine Abendroutine auf Bali

Ich habe sie mir gerade noch einmal angeschaut und finde sie furchtbar – nein, nicht wegen des Inhalts. Den finde ich eigentlich ganz knorke wenn ich das mal so sagen darf. Mehr so wie ich damals noch geschnitten hab, mein altes Intro … haaach, Zeit vergeht! Gott sei Dank entwickelt man sich mit seinen Fähigkeiten ja weiter! ;) Vielleicht machen das aber auch die Schlafstörungen, dass ich so unsicher bin. So selbstkritisch. Nicht ausreichend Schlaf zu bekommen, spielt extrem ins eigene Wohlbefinden rein. Aber macht euch wie gesagt einfach mal selbst ein Bild davon! Feedback ist erwünscht, hinterlasst einfach einen Kommentar! ☺

Lara auf Bali
Ubud, Bali (2016)

Um zum Ende zu kommen …

Ich liebe es, dass ich ständig neuen Input bekomme, durch meine Arbeit kreativ sein kann, immer etwas Neues entdecke und kreiere. Gleichzeitig kann das aber auch extrem anstrengend sein, körperlich sowie auch geistig. Die MS verkompliziert meinen Alltag, mein Leben auch gerne mal zusätzlich. Deshalb sind mir meine kleinen Marotten (meine Auspackroutine & der dazugehörige Ordnungsfimmel) und meine neuen Rituale (Glücksbuch schreiben) auch unheimlich wichtig und aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken. Alltag ist gut und notwendig. Alltag erdet mich, beruhigt mich. Gibt mir die Stabilität, die das ständige Reisen und die MS mir nehmen. Hand auf’s Herz, auch wenn wir alle ständig von „Freiheitsdrang“ und „Ausbrechen aus dem System“ sprechen, sind wir nicht alle so ein bisschen „Gewohnheitstier?“ ☺