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Thema: Auskotzmonat

Stadtmauer Soest

Auskotzen kann sehr befreiend sein!

Ich rege mich nicht auf,
ICH REGE MICH NICHT AUF,
ICH REEEEEGE MICH NICHT AAAAAUUUF!
Oder vielleicht doch ein bisschen? ;-)

Jetzt mal ehrlich, habt ihr nicht auch manchmal Situationen, in denen ihr ausrasten könntet oder jemandem die Meinung sagen müsst? Zugegeben, bei mir kommt das echt selten vor, vielleicht einmal in zwei Jahren, aber dann sage ich auch, was ich denke. So einen Fall hatte ich dieses Jahr in meiner schönen Stadt Soest. Für diejenigen, die es nicht wissen, Soest ist eine bedeutende Hansestadt gewesen. Sie ist echt alt, sehr schön und sehenswert. Urkundlich erwähnt wird Soest erstmals im Jahr 836 als Villa Sosat. Da meine schöne kleine Stadt im Mittelalter etliche Auseinandersetzungen mit anderen Städten hatte, wurde zum Schutz eine Mauer (ein Wall) gebaut. Dieser Wall steht seit 838 Jahren (Stand 2018).

 

Mauer

Eintrag bei Wikipedia zur Stadtmauer von Soest: „Die alte Stadtmauer mit ihrem Wall ist noch zu drei Vierteln erhalten, ein Viertel wurde ab 1890 den Bahnschienen geopfert. Allerdings ist der noch erhaltene Teil nur der sogenannte innere Wall, da der äußere Teil bereits 1586 aus militärtaktischen Gründen abgerissen wurde. Als einziges von ehemals zehn Stadttoren (acht Haupttore und zwei Nebentore) ist noch das innere Osthofentor komplett erhalten, das heute eines der städtischen Museen beherbergt. Die mit Bäumen bepflanzten Wälle wie die vorgelagerte parkähnliche „Gräfte“ sind vollständig begehbar und eignen sich gut für einen Spaziergang, zum Beispiel zum Kattenturm.“

Quelle: Seite „Soest“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. August 2018, 19:58 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Soest&oldid=179989178 (Abgerufen: 22. August 2018, 13:07 UTC)

Stadttor Soest

Nun fängt das Drama an

Wie ihr oben lesen konntet, ist der Wall begehbar und mit echt großen Linden bepflanzt. Da mittlerweile zum Glück Barrierefreiheit in Deutschland immer mehr Gefallen bei der Regierung findet und auch bei den Stadtvätern im Kopf herumschwirrt, hat sich die Obrigkeit von Soest etwas ganz Tolles ausgedacht. Sie möchte den Aufgang auf den Wall barrierefreier gestalten. Super Sache, habe ich eigentlich gedacht, aber nicht, wenn dadurch teils über 80 bis 100 Jahre alte Bäume gefällt werden müssen.

Das Witzige an der Sache ist, theoretisch und praktisch kommt man jetzt schon als Rollifahrer mit ein bis zwei helfenden Menschen auch auf die Mauer. Als das Vorhaben der Stadt Soest öffentlich gemacht wurde, hab ich mich erst mal richtig darüber aufgeregt, unter dem Motto: „Barrierefreiheit schön und gut, aber zu dem Preis finde ich das nicht gut!“ Eine Mauer, die 838 Jahre alt ist, so zu „zerstören“, nur damit ein Mensch mit Handicap auf ihr herumlaufen oder -rollen kann, ist aus meiner Sicht ein No-Go!

Weg an der Stadtmauer

Das Amt für Denkmalschutz regt sich über Fachwerkhäuser auf, die nicht in der gleichen Farbe gestrichen werden, wie sie damals mal waren, oder wenn man bei einer Restaurierung einen Balken versetzt oder nicht genau so wieder anfertigt, wie er einst war. Finde den Fehler! Bei einer Stadtmauer, die 838 Jahre alt ist, regen sie sich nicht auf, wenn man sie für echt viel Geld vom Bund und Land barrierefreier oder -ärmer gestaltet? Mal abgesehen von den vielen Bäumen, die dafür gefällt werden müssen. Boah, ich hab mich so aufgeregt wegen dieser Aktion von der Stadt. Für die Baumfäll-Aktion haben sie als Grund angegeben, dass viele davon krank wären. Dem ist aber wohl nicht so.

Jetzt habe ich mich genug ausgekotzt, jetzt kommen wir zum positiven Teil!

Aufgrund des Ärgers wurde eine Bürgerinitiative gegründet mit dem Hintergrund, dass die Baumfäll-Aktion nicht in dem großen Ausmaß stattfindet. Ich glaube, dass nach den ganzen Protesten der Bürgerinitiative und den Bürgern die Stadt darauf reagierte und ihr Konzept wohl überarbeitet hat und einen Infoabend in der Soester Stadthalle arrangierte. Bei diesem Infoabend wurde dann so manches von der Stadt klargestellt und siehe da, es ist doch nicht so extrem wie viele Soester (inklusive mir) befürchtet haben. Bei dem Abend in der Stadthalle wurde das überarbeitete Wallkonzept der Stadt vorgestellt und es war meines Erachtens nach schlüssig und okay. Hätten die Stadtväter vor ein paar Jahren sofort so eine Aufklärung betrieben, würden jetzt auf meinem Kopf wahrscheinlich drei bis vier graue Haare weniger sein. Aber jetzt zum neuen Konzept.

Stadtmauer Weg Soest

Ja, es werden viele Bäume gefällt, aber in einem Zeitraum von ca. 30 bis 40 Jahren. Das hat den Hintergrund, dass in den kommenden Jahren viele bestehende Bäume eh krank werden und sie dann sowieso gefällt werden müssen. Des Weiteren werden wohl die Bäume in Blöcken gefällt und sofort wieder neu angepflanzt. Das Fällen der riesigen Linden hat aber noch einen Grund, und zwar sollen die nächsten Generationen von uns auch so eine schöne alte Stadtmauer genießen können.

Nun zu dem barrierefreien oder -armen Zugang auf die Mauer. Ich bin immer noch der Meinung, dass es Dinge gibt, die für einige Menschen unerreichbar sind (ich möchte auch mal gerne auf den Mount Everest, geht aber nicht so einfach). Die Soester Wallmauer zählt nicht dazu, denn sie kann man mit Hilfe gut „erklimmen“. Positiv ist, dass der vorhandene Weg nach oben jetzt einen neuen Belag bekommt, der ohne störende Huckel, Bodenwellen oder Löcher auskommt und nicht so viele Bäume deswegen gefällt werden. Des Weiteren sei lobend erwähnt, dass die meisten Wälle nur barrierearm gemacht werden, sodass die Mauer nicht, wie ich erst dachte, großartig umgebaut wird. Ein Hoch auf die Bürgerbeteiligung. Übrigens kann man auch wunderbar unterhalb der Mauer spazieren gehen (rollen). Diesen Weg nennt man Gräfte. Ich glaube, dass ich mich wegen meines (gefährlichen) Halbwissens unnötig aufgeregt habe und dass die Planung, wie sie jetzt ist, gut und okay ist. Sollte ich mich in meinem Text bei einigen Dingen vertan haben, bitte ich das zu entschuldigen! Ach ja, alles was ich hier in diesem Text geschrieben habe, ist meine eigene Meinung!

Eine Sache zum Thema „Auskotzen“ hätte ich da noch ;-)

Parken auf einem Behindertenparkplatz ohne gültigen Parkausweis oder gültige Berechtigung finde ich zum Kotzen! Das ist ein Unding, das in meinen Augen mit wesentlich höherem Bußgeld bestraft werden sollte. Eigentlich sollte für jeden Menschen klar sein, für wen solch ein Parkplatz ist. Doch leider ist es nicht so. Sehr viele Menschen ohne Parkausweis nehmen sich die Frechheit heraus, mal eben schnell auf einem Behindertenparkplatz zu parken, um zum Beispiel mal eben mit dem Porsche von Papa ein Eis zu holen. (Ich habe geschaut: Der Porsche hatte keinen Parkausweis und der junge Fahrer kam wirklich gut zu Fuß und mit einem Eis zurück.)

Porsche im Parkverbot

Auch Rentner und Menschen mit einer relativ leichten Behinderung denken, dass der Schwerbehindertenausweis als eine Art „Parkausweis“ genutzt werden kann. Dem ist natürlich nicht so! Einige Menschen denken sich: „Ich muss nur mal eben für fünf Minuten etwas besorgen!“ Aber dass vielleicht in dem Moment ein Autofahrer, der legal auf diesen Parkplatz angewiesen ist, dann dort nicht stehen kann, interessiert niemanden, weil unsere Gesellschaft nur noch in Eile ist und oft nur an sich selbst denkt. Es kotzt mich dermaßen an, dass ich des Öfteren warten muss, bis der mir zustehende Parkplatz frei gemacht wird von einem Menschen, der ohne Berechtigung auf meinem Parkplatz steht. Nur mal so zur Info, so wird ein Rollstuhlparkplatz gekennzeichnet, da dürfen dann auch nur Autos mit einem blauen EU-Parkausweis vom Straßenverkehrsamt parken!

Rollstuhlparkplatz Multiple Sklerose

Das Schlimme ist aber dann, dass man manchmal von diesen Menschen blöd angemacht wird. Mir ist es mal passiert, dass ich auf einem Behindertenparkplatz stand und angemacht worden bin, weil ich der Person angeblich den kürzesten Weg zum Einkaufswagen versperrt habe. Ich musste nur lachen, aber meine Freundin hat sich tierisch darüber aufgeregt und hat gesagt: „Seien Sie froh, dass Sie solch einen Parkplatz nicht benötigen, Sie Wurst!“ Da konnte ich nicht mehr, ich kam aus dem Lachen nicht mehr raus. Ich hab ihm dann noch gesagt, dass ich echt froh bin, im Gegensatz zu ihm nur körperlich behindert zu sein. Da war er wohl richtig sauer. 😊
Jetzt hab ich mich erst mal für die nächsten zwei Jahre ausgekotzt. Ich habe euch noch einen Link zur Stadt Soest mit dem Wallkonzept beigefügt: Wallkonzept der Stadt Soest

Ich hoffe, dass euch mein Artikel mehr oder weniger gefallen hat und ihr in Zukunft weitere Artikel von mir lest.

Bis bald!
Euer Torsten