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Thema: Fatigue

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Katzen auf dem Sofa

Das Mittagsmonster

Mein Tag beginnt um 6:00 Uhr morgens, mein Sohn geht noch zur Schule und ich  finde es schön, wenn ich mit ihm aufstehe. Auch wenn wir nicht viel reden, in der kurzen Zeit, bis er gehen muss, ist es doch nett für Beide, nicht allein zu sein. Außerdem stecke ich voller Tatendrang. Malen, Spinnen, neuerdings Nähen, neue Projekte, Malmotive, eine neue Technik, die Welt ist voller kreativer Versuchungen und ich mittendrin. Meistens nachts.

Damit geht das Verhängnis los, ich schlafe in Etappen. Einschlafen ist kein Problem, durchschlafen schon.
Drei- bis viermal werde ich in der Nacht wach und kann so schnell nicht wieder einschlafen. Trotzdem bin ich morgens um sechs zunächst mal fit.
Um acht Uhr geht es los zum Hundespaziergang, jeden Tag, bei jedem Wetter. Um halb zehn bin ich wieder daheim.

Hausarbeit, die olle Sirene, bekommt ein Stündchen am Morgen, damit muss sie zufrieden sein. Und dann gehört der Tag mir!
Hopps! Aaaallleee Zeit der Welt, nur für mich!
Ich räume mir zurecht, auf was ich Lust habe, oder was gerade ansteht und lege los.
Was für eine traumhafte Situation! Ich kann ab jetzt, jeden Tag so gegen 11 Uhr, tun und lassen, was mir beliebt! Das stelle sich mal ein normal arbeitender Mensch vor! Ich bin privilegiert!
Gegen zwölf, ziemlich genau eine Stunde, nachdem ich mein kreatives „Was-auch-immer“ begonnen habe, streckt es seine Fühler nach mir aus.

Malutensilien und Uhr

Es beginnt immer gleich, meine Gedanken schweifen ab, ich lasse immer öfter meinen Arm sinken, oder ich muss meine Gedanken mit Macht wieder zurückbeordern zu dem, was ich gerade tue.

Manchmal, wenn ich nicht schnell genug merke, was da angekrochen kommt, mischen sich „Traumbilder“ unter meine Gedanken, es ist wie eine Art Sekundenschlaf mit offenen Augen.

Ab dem Moment kann ich  anfangen, gedanklich bis 50 zu zählen, länger dauert es nicht, bis sich zwei exakt auf meine Augenlider zugeschnittene Bleigewichte auf dieselben legen.

Es ist  unmöglich dagegen anzutreten. Ganz schlimm ist es, wenn ich tatsächlich mal unterwegs bin in der Mittagszeit. Ich kann mich ohne Probleme in der Fußgängerzone auf eine Bank setzen und einschlafen oder in der Arztpraxis im Wartezimmer, da ist es besonders schlimm, dort ist es meist warm und still. Eine blöde Kombi!

Das Mittagsmonster schlägt erbarmungslos zu! Zwischen zwölf und halb zwei bin ich weg für die Welt.

Ich liege auf dem Sofa und brauche zehn Sekunden bis ich fest eingeschlafen bin.

Mich ärgert das kolossal. Das klaut mir einige Stunden am Tag!

Ich bin dann fit bis gegen sechs Uhr am Abend dann wiederholt sich das gleiche Spiel!

Ich muss mich outen, ich gucke um 18 Uhr die Krimis auf dem zweiten Programm. Ich schaffe den Mord und die ersten Verdächtigen, leider selten die Verhaftung am Ende. Da schlummere ich nochmal so für  ein halbes Stündchen….

Dieser kleine Ausfall stört mich nicht so sehr wie die Attacke am Mittag.

Auch der Versuch, der Fatique ein Schnippchen zu schlagen, ist fehlgeschlagen. Wenn ich erst um sieben morgens aufstehe, dann bin ich eben um eins am Mittag müde statt um zwölf.

Meine Nachfrage beim Neurologen verlief auch nicht so recht befriedigend.

-„Jaaaa die Fatique ist schon eine Belastung……und dann noch die Tabletten gegen die Restless Legs! Haben Sie da mal auf den Beipackzettel geguckt?“

Jaaaa, habe ich. Steht auch da: Anfälle von Müdigkeit

Stimmt, es sind Anfälle, oder Anfliege,  oder auch Attacken.

Es ist, als wäre man fremdbestimmt. Jemand kommt, legt seine Hand auf dein Gesicht und flüstert magisch: schlaf!

Alles an mir wird bleischwer und ich versinke in Müdigkeit. Tauche ein in ein Bad aus Lethargie. Ich sehe, dass mein Gegenüber spricht, ich höre das auch, der Sinn der gesprochenen Worte kommt bei mir nicht mehr an.

Das Heben eines Armes oder Beines ist Schwerstarbeit. Die Augenlider folgen einer Schwerkraft, die ich bis dahin gar nicht für möglich gehalten hätte.

Unser Sofa wird mein bester  Freund und mein ärgster Feind. Ich habe es neu bezogen, das Sofa, vom  frühlingsfreundlichen Grün zum zur Stimmung passenden Grau.

Grau ist „in“, das Sofa sieht super aus. Das täuscht, es hat sich mit der Fatique verbündet, das elende Ding.
Unsere Katzen sind dem Sofa ebenfalls verfallen, allerdings hat das weniger mit Fatique zu tun als mehr mit dem üblichen Katzenmüßiggang.

Katzen auf dem Sofa

Wer meint, so ein bisschen  Suppenkoma am Mittag ist doch kein Beinbruch, der ist der Fatique noch nicht begegnet.

Unnachgiebig, unbarmherzig, nicht austricks-bar, allumfassend.

Wenn ich nicht so gut erzogen wäre, würde ich sagen, Fatique ist eine alte Kackbratze.

Eines muss man ihr aber lassen: auf sie ist hundertprozentig Verlass!