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Thema: Haustiere

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Boxerhündin Ozeana

Die große Liebe beginnt oft mit etwas Kleinem….

So war das auch bei mir.

Am Anfang war die Schnecke.

Ich habe als Kind leidenschaftlich gern Schnecken in Schuhkartons gesammelt. Der Karton wurde ausstaffiert mit allem, was die Schnecke so benötigt, die Tierchen wurden sorgfältig in den Salat gesetzt und ich konnte dem gemächlichen Treiben im Karton stundenlang zusehen. Natürlich wurden die Schnecken spätestens am Folgetag freigelassen, wobei ich heute noch felsenfest davon überzeugt bin, dass so manches Schneckengetier gern länger bei mir geblieben wäre.

Ich war Einzelkind und ich war viel allein. Als sechsjähriges Schlüsselkind kann Einem schon mal der Sinn nach Gesellschaft stehen. Geschwister standen nicht zur Debatte.

Nach vielem Betteln und Bitten brachte mein Vater mir eines Abends einen kleinen Kater mit. Das war die Initialzündung einer immerwährenden Leidenschaft. Ich liebte diesen Kater heiß und innig. Das Tierchen wurde erst angefahren, erholte sich halbwegs, allerdings mit schiefem Rücken (in den 70er waren Tierärzte ein unbezahlbarer Luxus), um dann vergiftet unter unserem Balkon zu enden. Ich war zum absoluten Unverständnis meiner Eltern und Großeltern untröstlich.

Meine Mutter hatte schließlich ein Einsehen und es zog ein kleiner Mischlingshund bei uns ein. Vielmehr zog er bei mir ein. Wir waren unzertrennlich. Stundenlang bin ich mit ihm durch Feld und Wald gestreift. Beides war Ende der 70er Jahre noch reichlich um uns herum vorhanden.

Es haben fortan immer Katzen oder Hunde, oft Beides, unser Familienleben bereichert.

Das ist noch heute so. Bei uns leben drei Katzen und eine Boxerdame. Die Koexistenz ist vollkommen und hat schon manchmal komische Züge. Rituale werden zelebriert wie in einer Kirche.

Wenn unsere getigerte Mamakatze Elli von ihren Streifzügen nach Hause kommt, läuft sie immer in die Küche und springt auf einen bestimmten Stuhl. Unser Boxermädchen leckt dann entweder der Katze den Kopf ab oder umgekehrt. Dann sitzt das große Boxermädchen mit genüsslich geschlossenen Augen da und lässt sich, von der doch recht zierlichen Katze, den Kopf abschlecken. Sie nimmt ihre Aufgabe mit äußerster Akribie wahr.

Unser schwarzer Kater Lehmann liebt Gurkensalat, aber nur mit Essig, Öl, Zucker und Salz! Wenn wir Gurkensalat essen, sitzt also quasi Einer mehr am Tisch…..

Unsere weiße Katze Missy lässt uns immer wieder den Atem stocken. Sie ist so dermaßen ungeschickt für eine Katze, dass wir schon überlegt haben, die Terrasseneinfassung breiter zu gestalten, damit sie nicht eines Tages, beim ungeschickten Balancieren, hinunterfällt. Das wäre nicht weiter schlimm, es ist höchstens 1,50m bis nach unten, aber wir halten jedes Mal die Luft an, wenn sie auf den Holzstäben herumkankelt.

So etwas gibt es nur zu sehen, wenn Tiere das Leben mit uns teilen.

Ein ganz besonderes Verhältnis verbindet mich mit meiner Boxerhündin Ozeana.

Boxerhündin Ozeana

Wenn es mir nicht gut geht, spürt mein Boxermädchen das sofort. Sie stärkt mir im wahrsten Sinne des Wortes den Rücken. Sie setzt sich an solchen Tagen mit Vorliebe ganz dicht an meinen Rücken. So als wollte sie sagen: „Lass du dich fallen, ich stütze dich.“

Sie vertraut mir und ich kann mich in jeder Situation auf sie verlassen. In neun Jahren, die wir unser Leben teilen, hat sie mich noch nicht einmal enttäuscht.

Wir haben zusammen viele Stunden auf dem Hundeplatz zugebracht, haben die Ausbildung zur Begleithundprüfung zusammen absolviert, haben viele Stunden Hundesport gemeinsam verbracht.

In unserer eigenen Hundeschule gab es viele Teilnehmer, die mit einem tiefen Seufzer sich immer wieder gewünscht  haben: „Bitte lass meinen Hund so werden wie den Boxer.“

Ich behaupte, sie ist so wie sie ist, weil sie eine sehr ausgeglichene Hündin ist und, weil sie großes Vertrauen in ihre Menschen hat.

Als ich das Thema Haustiere für mich ausgesucht hatte, um darüber zu schreiben, habe ich eigentlich eher an ein Plädoyer für Haustiere gedacht. Warum es so gut tut, ein Tier zu haben, wenn man selber recht schwer erkrankt ist.

Nun ist es eine Liebeserklärung an mein Boxermädchen geworden. Ich muss mich zusammenreißen, mir laufen die Tränen übers Gesicht, weil ich weiß, dass sie schon neun Jahre alt ist. Boxer werden nicht so alt. Es kommt der Tag, an dem sie gehen muss. Ein Teil von mir wird mit ihr gehen. Sie bedeutet mir einfach zu viel.

Vielleicht versteht  ein Teil der Leserschaft, welche Kraft in einer solchen Beziehung stecken kann. Wie viel Mut und Zuversicht aus der Liebe zu einem Tier entsteht.

Und wie viel Trost eine nasse kalte Hundenase am eigenen heißen, tränennassen Gesicht spenden kann.

Gesicht von Boxerhündin Ozeana

Es gibt viele Argumente für und gegen ein Haustier. Kaum ein Thema polarisiert so stark. Ich bin nicht auf einem Missionier-Feldzug „Pro Haustier“.

Menschen, die keine Tiere mögen, finden auch selten den Zugang zu ihnen, um solche Momente zu erleben, wie wir sie mit unseren Tieren erleben. Dazu muss ein Mensch sich auf ein Tier einlassen, auf die Welt, in der es lebt.

Ich habe eher ein wenig Mitleid mit Menschen, die mit Tieren nichts anfangen können… Ihnen fehlt eine ganze Welt.

GZDE.MS.16.07.0749