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Thema: Beziehungen

Heike und Peter

Die Liebe und MS

Getreu meines Mottos: „Alles ist möglich – auch MIT MS“ habe ich 2006 inmitten eines Schubes ein kleines Wunder erlebt.

Aber fangen wir von vorne an.

MS habe ich seit 1994 – damals war ich verheiratet und hatte zwei Kinder im Alter von sechs und neun Jahren. Mitten in dieses beschauliche Leben platzte die MS herein. Wir hatten eine stabile Partnerschaft und deshalb schafften wir es auch, trotz eines vorübergehenden blinden Auges, den kommenden Alltag zu meistern.

2003 kam es zur Scheidung – allerdings spielte die MS gar keine Rolle dabei und ich erwähne es deshalb, weil es aufzeigt, dass ich immer versuchte, ein „normales“ Leben zu leben – auch mit MS und den Beeinträchtigungen. Viele Freunde sagten damals: „Eine Trennung würde ich mir aber in Deinem Fall besonders gut überlegen – Du hast MS, nachher stehst Du alleine da!“, und vieles mehr. Aber zu einem „normalen“ Leben gehört auch Selbstbestimmtheit und autonomes Handeln und ich entschied mich für den Weg der Trennung. Einfach war das alles nicht, denn bei Stress muckt meine MS besonders gerne auf. Zudem musste ich auch im Job Stunden erhöhen, damit ich finanziell alles schaffe. Aber ich blickte entschlossen nach vorne.

Bald lernte ich einen neuen Mann kennen, dem ich von Anbeginn an von meiner MS erzählte. Mir sieht man diese Erkrankung zwar nicht an und damals merkte man auch kaum etwas, da es mir sehr gut ging, aber ich wollte von Anfang an Klarheit schaffen.

Spruch auf hellem Hintergrund mit Deckenlampe

Peter ging auch von Beginn an sehr locker mit der Diagnose um und auch, als ich mal schlechtere Phasen hatte, trug er die „Last“ mit mir, nahm Rücksicht, wenn ich nicht weiter laufen konnte oder Fatigue-Anfälle bekam. Einerseits war das für mich „normal“, da ich das auch aus meiner ersten Ehe so kannte, andererseits wurde mir schnell bewusst, welch ein Glück ich hatte, dass ich gleich zwei Mal solchen Männern begegnet war.

2006 ging es mir plötzlich sehr viel schlechter: ich hatte einen Schub und die Fatigue mit dem schrecklichen Ausmaß der ohnmächtigen Erschöpfung nahm Einzug in mein und somit auch Peters Leben. Ich war immer wieder und dann auch im November/Dezember 2006 sechs Wochen lang krankgeschrieben und mir graute es schon vor meinem ersten Arbeitstag, da ich mich noch nicht wirklich erholt und fit fühlte. An meinem letzten Tag zuhause nahm sich Peter frei, was mich im ersten Moment eher nervte, da ich den Tag für mich alleine in Ruhe verbringen wollte. Er überredete mich aber zu einem kleinen Ausflug, wir gingen an der Nahe romantisch spazieren, kehrten schön in ein kuscheliges Café ein und auf dem Rückweg hielt er an einer besonders schönen Stelle am Fluss an und… machte mir einen Heiratsantrag! =)

Foto-Collage von Heikes Hochzeit

Peter ist ein Mann, der eigentlich nie eine solch feste Beziehung haben wollte – schon, dass er zu mir und meinen Kids gezogen ist, war enorm – nun also noch ein Heiratsantrag, ich konnte es kaum fassen. Wir hatten noch einen wundervollen Abend mit meinen Eltern zusammen und ich war auf sehr vielen Ebenen glücklich – und deshalb ist es auch so wichtig, meine Geschichte als MUT-Macher zu berichten: Peter hat mich als FRAU wahrgenommen und nicht als MS-Betroffene. DAS ist ein Geschenk und äußerst wertvoll. Er hat mir TROTZ MS einen Heiratsantrag gemacht und sich somit auf eine nicht so sichere Zukunft eingelassen, denn bis wir ein Jahr später dann geheiratet haben, ging es mir noch schlechter. Er wusste von der MS, hat mich leiden, kämpfen und wieder aufstehen sehen, hat Beeinträchtigungen live miterlebt und mir dennoch einen Heiratsantrag gemacht. Mittlerweile sind 11 Jahre vergangen und wir bereuen diesen Schritt nicht.

Spruch auf lila Hintergrund

Liebe ist ein Geben und Nehmen, ein Miteinander und der Versuch, sich zu verstehen und den Anderen anzunehmen. Vielleicht müssen wir MS`ler auch raus aus der Opferrolle, raus aus dem „Nicht-zur-Last-fallen-Wollen“, und vielleicht sollten wir mehr hinein ins LEBEN springen – mit Mut, Zuversicht und Vertrauen und dem Glauben an sich als Mensch und nicht als „Kranker“!

 

GZDE.MS.16.03.0319