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Thema: Kognitionstraining – Tipps und Tricks

Improvisationsworkshop Multiple Sklerose Blogger

Einfach mal den Kopf abschalten. Birne aus. Gefühl an.

Haus. Hund. Schaukel. Wiese. In Nanosekundenschnelle platzen die Worte in den Raum. Freie Assoziationen. Es ist Mittwochnachmittag, hinter den Fensterscheiben fällt der Regen aus den tief hängenden Wolken.

Trotz Regens herrscht eine ausgelassene Stimmung, denn wir befinden uns gerade auf dem halbjährlichen Treffen der MS-Einblick-Blogger, die aus allen Ecken und Enden der Republik nach Berlin gekommen sind.

Christina, Lara, Heike, Alex, Torsten und Gina haben einen Kreis gebildet und rufen sich Begriffe zu, die ihnen in den Kopf schießen. Aber warum tun sie das? Hardy Kistner, Schauspieler und Business-Coach, leitet den Kurs unter dem Motto „Erfolgreich scheitern“. Er ist selbst überzeugter Impro-Spieler und benennt die Chancen, die im Impro stecken: „Bei der Improvisation geht es darum, sich auf etwas einzulassen, das Fenster aufmachen und schauen, was ist dahinter. Die Botschaft lautet: Es ist besser, einen Fehler zu machen, als unentschieden zu sein. Erfolgreich scheitern.“

Improvisation hilft Barrieren abzubauen, Handlungsspielräume zu erweitern, neue Perspektiven zu eröffnen. Am Anfang entwickelte Keith Johnstone in England Impro-Übungen als Training für Schauspieler. Schnell wurde klar, dass dieses Impro-Training selbst so spannend ist, dass man es direkt auf die Bühne bringen kann. Daraus entstand dann der „Theatersport“, der Wettkampf zweier Mannschaften in der Disziplin des Improvisierens um die Gunst des Publikums. Von hieraus ging es um die ganze Welt.

Zurück zum Workshop. Eine halbe Stunde vorher. Vor den Worten kam das Klatschen.

Tische und Stühle sind beiseitegeschoben. Die Aufgabe ist es, einen Klatschimpuls an den anderen weiterzugeben. Laura schaut Torsten an und klatscht, Torsten blickt Heike an und klatscht in der gleichen Intensität. Blickkontakt halten, Impulsstärke aufnehmen und weitergeben.

Anfänglich noch etwas unsicher, was das alles zu bedeuten hat, kommen sie immer mehr in den Flow. Der Flow ist das Zauberwort für alles, was bei Impro geschieht. Auf das Gefühl hören, Kopf abschalten, sich aufeinander einlassen, eine Beziehung aufnehmen und sich darin fokussieren. Im Hier und Jetzt sein.

Neue Konstellation, neue Aufgabe. Gina steht jetzt vor der Gruppe und sagt einen Begriff, der ihr gerade in den Sinn kommt, schaut Christina an, diese reagiert mit einem anderen Wort wieder auf den Begriff, Blickkontakt, Gina ist an der Reihe, ein Wort, sie schaut zu Torsten, Torsten sagt ein Wort, Torsten sieht Gina an, Gina antwortet mit einem für sie gerade dazu passenden Wort und so geht es jetzt einige Minuten. Worte blitzen von einem zum anderen.

Gina ist ganz in ihrem Element. Hardy lobt sie. Dafür, dass man ihr angesehen hat, dass es ihr Spaß macht, weil es wichtig ist, Spaß als Ressource für sich zu finden. Nicht zu bewerten, die Beziehung ist wichtig, nicht die Worte. Nur, dass man es mit positiver Energie versieht, dass das eigene Wort als das bestmögliche Wort, das in diesem Moment gesagt werden kann, angesehen und „verkauft“ wird.

Später werden noch Bauernregeln erfunden. Jeder aus der Gruppe gibt ein Wort und übernimmt mit diesem Wort die Verantwortung für die Geschichte.
Nach mehr als einer Stunde ist der Impro-Workshop zu Ende. Alle Teilnehmer haben sich auf eine Reise in das Unbekannte begeben, sind erschöpft, aber zufrieden.

Workshop MS Blogger