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Thema: Ernährung

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Frühstück

Ernährung braucht keinen Namen

Durch die MS ist bei uns im Haus Ernährung ein wichtiges Thema geworden. Eine Ernährungsumstellung war damals eigentlich die erste Maßnahme, die meine Frau nach der Diagnose sofort ergriffen hat, direkt als sie aus dem Krankenhaus kam.

Zu Beginn hat sich Bine nach einem MS Kochbuch ernährt und ich habe mich dem durchaus angepasst. Das hieß vor allem, dass wir auf Schweinefleisch verzichtet haben, Zutaten wie Butter und Sahne gestrichen wurden, viel Fisch und Leinöl und sowie gar kein Fast Food mehr gegessen wurde.

Die ersten Monate hat diese Art der Ernährung meine Frau im Umgang mit der Diagnose etwas gestützt, aber schon bald hat sie sich nur noch Druck gemacht und war selbst genervt von den ganzen strengen Regeln. Irgendwann habe ich mir nur noch gedacht, dass sie lieber essen soll, was sie will, anstatt sich dem Druck zu unterziehen, dass die Ernährung so eine große Rolle im Krankheitsverlauf spielt. Bine sollte lieber das Leben genießen.

Im Laufe der Zeit wurde dann vieles wieder fallen gelassen. Es folgten noch - voller Begeisterung seitens Bine - diverse andere Ernährungsformen. Zum Beispiel glutenfrei, Paleo oder vegane Ernährung. Diesen Formen bin ich nicht mehr gefolgt, außerdem habe ich auch keine grundlegenden Veränderungen am Gesundheitszustand meiner Frau feststellen können. Im Gegenteil. Der Verdruss über den Verzicht war immer nach kurzer Zeit so groß, dass die Experimente wieder abgebrochen wurden.

Wenn man sich die präsenten Ernährungsformen jetzt und rückblickend mal anschaut, dann wird man feststellen, dass über Jahrzehnte hinweg eine ausgewogene Ernährung die einzige Konstante war und man immer wieder alles darauf zurückführen kann. Jede Form der extremen Ernährung, ob in die eine oder andere Richtung, kann meiner Meinung nach langfristig nicht gut sein.

So richtig habe ich mich dann durch den Sport motiviert, mich mehr mit meiner eigenen Ernährung auseinander gesetzt und bin gänzlich weg von alten Gewohnheiten gekommen. Seit knapp acht Monaten versuche ich, mich sinnvoller bzw. ausgewogener zu ernähren. Als ich diesen Entschluss gefasst habe, war Bines aktuelles Experiment das Thema „Clean Eating“. Das ist bisher das Nachhaltigste aller Umstellungen. „Clean Eating“ ist ein Konzept, bei dem man sich hauptsächlich von frischen, so wenig wie möglich verarbeiteten Lebensmitteln ernährt. Zum Beispiel meidet man raffinierten Zucker und jegliche Form von Fertiggerichten. Außerdem achtet man darauf, wo die Lebensmittel herkommen. Bine hat damit begonnen, viele biologische und/oder regional angebaute Produkte zu kaufen.

Ich persönlich bezeichne mich nicht als Clean Eater, da ich im Alltag auf zu viele Hindernisse stoße, um clean zu essen, die ich persönlich auch nicht bereit bin, zu überwinden. Zum Beispiel ist mein Fleisch nicht Bio. Und ich vermeide es zwar, Zucker zu essen, ersetze diesen aber durch Süßungsmittel. Grundsätzlich sind aber Junkfood, TK-Fertigware o.ä. aus unserem Alltag komplett verschwunden.

Bine ist da schon anders. Sie ist motiviert, im gesamten Tagesablauf auf jedes Detail ihrer cleanen Ernährung zu achten. Sie macht sehr viele Sachen selbst, auch so was wie Brot, Brotaufstriche, Marmeladen, „gesündere“ Süßigkeiten, Wasser mit Geschmack und natürlich alle drei Mahlzeiten am Tag. Und sie ist auch bereit, eine gewisse Zeit ihres Tages dafür hinzugeben, all diese Speisen vor- und zuzubereiten.

Mit meinem bewussteren Herangehen an das Thema Ernährung und Bines Clean Eating haben sich unsere beiden Ernährungsansprüche nun so weit eingependelt, dass man nicht mehr so viele Worte darüber verlieren muss und es einfach funktioniert.

Ein Tag im Hause Marina

Der Morgen

Frühstücks

Morgens habe ich damit begonnen, wie meine Frau es schon lange tat, ein frisches Porridge mit einer Handvoll Cashews, Mandeln, Kokoschips und Chiasamen zuzubereiten. Früher habe ich eher einen Magerquark mit Haferflocken, Nüssen und Obst gegessen, doch sie hat mich auf den Geschmack eines warmen Frühstücks gebracht. Ihr persönlich ist das vor allem so wichtig, weil es leicht verdaulich ist und sie nicht mit einem schweren Klotz im Magen in den Tag startet, so wie es oft nach einem oder zwei Brötchen aus Weißmehl ist. Wenn wir am Wochenende später frühstücken, gibt es schon auch gerne mal ein Omelett oder Vollkornbrötchen.

Der Mittagstisch

Mittagessen

Die Mittagszeit gestaltet sich immer ein bisschen schwieriger. Auch wenn meine Frau mich immer wieder dazu motivieren will, mir das Mittagessen zuhause vorzukochen und mitzunehmen, ich persönlich bin nicht so der Koch. Zudem ist es recht mühselig, bei uns im Büro zu essen, da der Pausenraum sehr voll ist.

Somit esse ich mit meinen Kollegen größtenteils auswärts. Aber gutes Essen kostet Geld. Den Spagat zwischen „bezahlbar“ und „kein Junkfood“ zu schaffen, ist immer eine Herausforderung. Somit lande ich oft bei einem Salat. Oder alternativ bestelle ich beim Asiaten etwas mit Reis anstatt Nudeln und nehme Gegrilltes oder Gebratenes anstatt frittiertes Fleisch. Bine bereitet sich jeden Morgen ihr Essen zuhause vor und überlässt nichts dem Zufall. Ihr ist es sehr wichtig geworden, dass sie weiß, was in ihrem Essen an Lebensmitteln verarbeitet ist.

Der Snack zwischendurch

Snack

Zuhause backen wir oft Kekse oder andere Kleinigkeiten. Bine nimmt dabei sowas wie Datteln, Bananen, Kokosblütenzucker oder Ahornsirup zum Süßen. Ich verwende eher Xylit, Stevia oder Erythrit. Und wenn Getreide im Spiel ist, muss es in jedem Fall Vollkorn sein. Wir meiden Weizen mittlerweile unbewusst grundsätzlich.

Unterwegs bekomme ich solche „gesunden Snacks“ nur selten in die Hände. Ab und zu, falls ein Kollege Schokolade dabei hat, nehme ich auch ein kleines Stück. Aber es ist dann wirklich ein kleines Stück. Die Zeiten, wo ich tafelweise Schokolade oder Becherweise Eis gegessen habe, sind vorbei. Ich habe mich dem einfach entwöhnt und kann Nein sagen und dem Kick widerstehen, weiter zu essen.

Am Abend

Abendessen

Meine Frau ist offensichtlich die Kochbegabtere von uns beiden, somit gibt es bei uns meistens abends eine frisch gekochte und ausgewogene Mahlzeit. Da kommen die unterschiedlichsten Dinge auf den Tisch, sowie Linsen-Dahls, Currys, Chilis, Suppen, Ofengemüse, oftmals auch Quinoa und Hirsegerichte und vieles mehr. Meine Frau hat sich mit der Zeit dahin entwickelt, immer weniger Fleisch zu essen. Deswegen besteht das Abendessen meist aus einer vegetarischen „Basis“, zu der ich dann meinen Fleischanteil hinzufüge. So muss keiner von uns auf etwas verzichten oder sich zu etwas genötigt fühlen, was er nicht möchte.

Ich erhebe nicht den Anspruch, dass meine Ernährungsform besonders gesund und die Richtige ist. Was ist denn genau „gesund“ und „richtig“? – Das muss jeder für sich selbst wissen.

Ich mache aus Ernährung keine Religion, mit der ich mich permanent beschäftigen muss. Ich versuche einfach, möglichst auf zu sehr fettreiche und zuckerhaltige Speisen zu verzichten.

Aber wenn man an einem Tag mal einen fettigen Burger und fettige Pommes isst, dann ist das OK. Solange das nicht mehrfach die Woche passiert. Und wenn man mal um 22 Uhr Lust auf einen Apfel hat, dann ist das auch ok. Ein ständiges „mit erhobenen Zeigefinger zu sich selbst und zu anderen“, führt seltener zum Erfolg.

Bines und meine Ernährung sehe ich als grobe Leitlinie vor, die Ausnahmen erlaubt. Für mich braucht eine Ernährungsform keinen Namen.