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Thema: Berufe

Lara mit einem Foto in der Hand

“I got bills, I gotta pay. So I'm gonna work, work, work every day…”

Ich habe Rechnungen, die bezahlt werden müssen. Also arbeite ich den lieben langen Tag.“ Ja, wer kennt das nicht. Die hungrigen Mäuler wollen gestopft werden (in meinem Fall ein sehr hungriges Mäulchen), der Vermieter möchte einen Teil meines Geldes in seinen Händen sehen, und nicht zu vergessen die lieben Menschen meiner ganzen Versicherungen. Aber wie will ich dieses Geld verdienen?

Wenn ich mal groß bin …

Der früheste Berufswunsch meinerseits war es, Raumausstatterin oder Innendesignerin zu werden. Damals war ich 15 und mein Zimmer wurde von mir jeden Monat neu dekoriert und umgestellt. Vielleicht war das weniger ein Berufswunsch und mehr das Bedürfnis, mein Leben und mein Umfeld kontinuierlich zu verändern. Als ich dann mit der Schule durch war, wollte ich gerne Psychologie studieren. Mich hat schon immer interessiert, wie Menschen „ticken“. Warum sie so agieren, wie sie agieren. Warum sie so sind, wie sie sind. Was sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie heute sind. Das ging aber leider nicht, da ich lediglich ein Fachabitur in der Tasche hatte (ich hatte ein zweijähriges Fachabitur absolviert anstatt eines allgemeinen Abiturs) und da ich auch kein Millionär bin, konnte ich mir eine Privatschule nicht leisten.

Lara mit Freunden bei der Abi-Feier

Was machen? Die Lösung lag nah – erstmal Soziale Arbeit studieren. Mein Fachabitur hatte den Schwerpunkt Sozialpädagogik, ich arbeitete zu dem Zeitpunkt bereits seit vier Jahren ehrenamtlich in der Kirche und mein Vater arbeitet ebenfalls im sozialen Bereich – Zufall oder Gene? Wie dem auch sei, ich packte meine Siebensachen - in meinem Fall eher 700 Kartons voller Krimskrams – und zog nach Berlin. Dort absolvierte ich mein Studium und darf mich nun Bätschelorette of Arts nennen – oder heißt es Bachelor? Auf jeden Fall bin ich jetzt staatlich anerkannte Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin. Fühle ich mich irgendwie anders? Fühle ich mich dazu berufen? Ich weiß es nicht. Wusste ich nie. Muss ich das?

Lara bei ihrer Bachelorfeier

Wird sie die MS irgendwann noch erwähnen?

Tatsächlich ist mir meine MS grade erst wieder eingefallen. Da ich mich bislang noch nicht auf den Arbeitsmarkt werfen musste und meine aktuellen Arbeitsgeber keinerlei Probleme mit meiner MS haben – im Gegenteil, sie unterstützen mich eher sehr – kann ich nicht so recht sagen, ob ich irgendwann mal Angst davor haben werde, wegen meiner MS keinen Job zu bekommen. Ich denke, ich würde es nicht gleich in meine Bewerbung schreiben - frei nach dem Motto: „Hey yo, ich habe MS!“ Haha. Aber da die meisten Arbeitgeber ja doch mittlerweile einen Vorab-Check von potenziellen Arbeitnehmern machen, wird es schnell klar sein, dass ich MS habe. Das ist aber auch völlig in Ordnung so. In einem/r Betrieb/Firma/Büro, in dem/r ich wegen meiner MS diskriminiert werde, möchte ich auch überhaupt nicht angestellt sein. Nein nein, da bin ich mir zu wertvoll und außerdem bin ich der felsenfesten Überzeugung, dass am Ende alles gut wird. Sonst ist es nicht das Ende. Hat sie jetzt wirklich so eine kitschige Redensart benutzt, um diesen Artikel zu beenden?

Fast! Um nun zu einem Ende zu kommen, das ein bisschen weniger kitschig ist, folgende Gedanken:

Mein Abschluss ist jetzt etwas über ein Jahr her und bisher habe ich in diesem Feld noch nicht gearbeitet – bin ja jetzt Blogger/Vlogger. Bin ich das? Ist das jetzt mein Beruf? Will ich das mein ganzes Leben lang machen? „Nein“ schießt es mir sofort durch den Kopf. „Aber“, frage ich mich selbst, „was will ich denn dann machen?“ Heutzutage haben wir so viele Möglichkeiten, wie wir unser Leben gestalten können. Ich fühle mich erdrückt, überfordert.

Lara am Stand mit ihrer Kamera

Ich will reisen. Ich will die Welt entdecken. Will mich entdecken. Will mich selbst lieb haben. Will noch Psychologie studieren. Will weiter in meinem alten Studentenjob arbeiten. Will noch den Master „Social Work as a Human Rights Profession“ absolvieren. Ich möchte noch Französisch, Thai und viele weitere Sprachen lernen. Will lernen, lernen, lernen. Das Leben ist ein unaufhörlicher Lernprozess. Ich kann selbst bestimmen, was ich lernen will, was mich interessiert. Das ist ein unglaubliches Privileg und ich bin dankbar, die Möglichkeit zu haben, mein Leben so frei gestalten zu können.

Lara mit ihren gepackten Taschen am Busbahnhof

GZDE.MS.16.10.1256