Was suchen Sie?

Thema: Arzt-Patienten-Beziehung

Multiple Sklerose

Ich wollte noch nicht die Endstation

Als meine Diagnose feststand, wurde ich angehalten, mich so schnell wie möglich für ein Basismedikament zu entscheiden und bekam einen ganzen Schwung Flyer und Prospekte mit lachenden Menschen auf den Titelblättern.

Die damalige Ärztin der Station konnte mich nicht beraten, um nicht parteiisch für einen bestimmten Medi-Hersteller zu sein. Leuchtet ein. Naja, dann musste ich das also alleine entscheiden. Ich hatte mich vorab schon mit den diversen Möglichkeiten der Gaben vertraut gemacht. Einmal die Woche eine Spritze, jeden Tag eine Spritze, Tabletten und was es sonst noch so gab. Am besten war für mich eine Tablette, da alles andere im Schichtdienst und dann noch in der Ölindustrie nicht passte.

Ich fing also mit den Tabletten an. Ich hab das Medikament gut vertragen und immer vorab einen griechischen Joghurt gegessen. Die Nebenwirkungen hielten sich in Grenzen und ich war froh, das Richtige für mich gewählt zu haben. Mein Krankheitsverlauf war zu der Zeit aber hochaktiv und wurde erst mal durch das Medikament nicht sofort gebremst.

Schon nach dem zweiten Schub nahmen meine Ärzte den Begriff „Eskalation“ in den Mund. Zu der ganzen Zeit bin ich mit meinen Ärzten zweigleisig gefahren. Ich hatte die Ärzte in der Klinik und eine ortsansässige Neurologin mit eigener Praxis. Aufgrund der Tatsache, dass der Begriff „Eskalationsmedikament“ nun schon mal gefallen war, machte ich mich schlau, was es da so gab, damit man mir später keinen vom Pferd erzählt. Die nächste Attacke aufs Nervensystem ließ nicht lange auf sich warten und schon kam es zu einem Gespräch mit Chef und Oberarzt in der Klinik. Mir wurde nahegelegt, die Therapie dem hochaktiven Verlauf durch ein entsprechendes Medikament anzupassen.

Ich musste nicht lange darüber nachdenken, denn für mich stand fest, dass ich noch nichts anderes wollte. Ich hatte durch meine eigenen Recherchen immer wieder gelesen, dass die meisten Basismittel ihre volle Wirkung erst nach drei bis sechs Monaten entfalten und ich nahm meines erst vier Wochen. Ich wollte medikamentös noch nicht das Ende der Fahnenstange erreichen. Ich sprach mit den Ärzten über meine Meinung und wir haben zusammen den Kompromiss geschlossen, noch drei Monate abzuwarten. Sollte ein erneuter Schub auftreten oder es in der Kontroll-MRT nach drei Monaten zu sichtbaren Veränderungen kommen, wird umgestellt.

Es kam, wie es kommen musste. Kein erneuter Schub, aber nach wie vor hohe Aktivität im Kopf. Die Ärzte der Klinik gaben mir eine kleine Auswahl an Möglichkeiten der weiteren Behandlung. Da ich mich vorab schon schlau gemacht hatte, wollte ich erst ein paar Parameter in meinem Körper abchecken lassen, bevor ich den Ärzten meine endgültige Entscheidung mitteilen würde. Wenn man den JC-Virus in sich trägt, kam eben ein Medi nur für eine bestimmte Zeit in Frage, und ich hatte ihn. Somit ist eben dieses von mir aussortiert worden, denn ich wollte mich nicht nach zwei Jahren erneut entscheiden müssen und auch die Rebound-Gefahr war mir zu hoch. Ich entschied mich für ein anderes Mittel, was ebenfalls infundiert wird.

Den gleichen Vorschlag für dieses gerade neu zugelassene Zeug machte mir auch meine ortsansässige Neurologin mit den gleichen positiven Aussichten auf Erfolg wie meine Ärzte in der Klinik. Das machte mich noch sicherer, das Richtige getan zu haben. Nach Absetzen des Basismedikaments musste der Körper zur Remission kommen, um das neue Mittel zu bekommen. Dieser Entschluss brachte mit sich, dass ich mich verpflichtete, nach der letzten Infusion 48 Monate engmaschig auf mögliche Nebenwirkungen kontrolliert zu werden.

Ich gehe also jeden Monat in die Klinik und meine Studienassistentin und auch mein Oberarzt nehmen sich jedes Mal viel Zeit für mich und halten mich bezüglich der MS und der stetig wachsenden Erfahrungen zu dem mir infundierten Medikament auf dem Laufenden. Das war insgesamt alles ein richtiger Glücksgriff. Ich hatte Ärzte um mich, die schnell erkannten, was mit mir los ist. Sie waren auf dem neusten Stand, was die Behandlungsmöglichkeiten angeht, und sind nach wie vor direkt dran am Thema MS. Ein guter Verlauf steht und fällt meines Erachtens mit der Auswahl der Ärzte.