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Thema: SelbstfĂĽrsorge

Selbstliebe bei Multipler Sklerose

Liebe dich đź’“

An dieser Stelle möchte ich zuerst einmal betonen, dass ich keine Ärztin bin, keine Krankenschwester, keine medizinische Ausbildung habe. Ich möchte auch keinesfalls sagen, dass meine Art, mit MS oder auch, wie ich mit meinem Körper im Gesamten umgehe, der richtige Weg für alle Menschen ist. Wir alle sind so verschieden, ganz individuell. Nicht umsonst wird sie ja auch als die Krankheit der 1000 Gesichter bezeichnet. Was ich machen kann und möchte, ist, in diesen Tagebucheinträgen von meinen ganz persönlichen Gedanken, Erlebnissen und Erfahrungen mit Multipler Sklerose zu erzählen. Von meiner Reise mit meiner MS. Liest du mit?

Liebe MS,

seitdem wir uns kennen, habe ich meine Beziehung zu mir ordentlich auf den Kopf gestellt. Okay, gut – vielleicht nicht ganz so radikal, wie ich es mir manchmal wünsche. Es gibt noch diverse Dinge, an denen ich arbeiten möchte. Aber wie ich es immer wieder betone, alles ist ein Prozess. Alles zu seiner Zeit und alles im ganz eigenen Tempo. Ich habe mal gelesen, dass Dinge passieren, wenn du bereit dazu bist. Da ist schon was Wahres dran, finde ich. Allerdings schwingt da auch unterschwellig eine ordentliche Portion Passivität mit, die ich gleich im Keim ersticken möchte. Ich bin ja eher so die Verfechterin von Aktivität und dass man selbst alles ändern bzw. erreichen kann, was man möchte. Wir müssen halt schon selbst aktiv werden. Viel zu lange habe ich gewartet, dass Dinge passieren. Dass ich keinen Herzschmerz mehr habe. Dass meine depressiven Verstimmungen plötzlich verschwinden. Dass ich mich von heute auf morgen fitter fühle. Dass sich all mein emotionaler Ballast ruckzuck in Luft auflöst. Dass ich mich plötzlich selbst richtig dolle lieb habe oder vielleicht sogar liebe.

Joa, man könnte mich als naiv bezeichnen. Allerdings lernst du diese Sachen auch nicht in der Schule, ne? Wahrscheinlichkeitsrechnung? Kann ich. Selbstreflektion? Gott sei Dank habe ich über ein Jahrzehnt lang in der Evangelischen Jugend gearbeitet und gelernt, zu reflektieren. Dann gibt’s da ja mittlerweile auch noch Instagram, nicht wahr? Vor einiger Zeit habe ich eine Story von einer Frau gesehen, die mit einer Essstörung zu kämpfen hat. Es war ein Bild von Essen, zu dem sie schrieb, dass Essen auch Selbstfürsorge ist. Mhm. Darüber habe ich erstmal nachdenken müssen.

SelbstfĂĽrsorge bei Multipler Sklerose

Ich würde schon gerne von mir behaupten, dass ich bewusst esse. Dass ich mir Gedanken mache, was da auf meinem Teller liegt, und mir ist auch schon irgendwie klar, dass das Essen auf meinem Teller im Endeffekt ein Teil von mir wird und mir Energie gibt. Ich habe aber bislang mit Selbstfürsorge mehr so Gesichtsmasken verbunden. Dass es vor allem auch die kleinen Dinge sind, die uns guttun, war mir gar nicht so bewusst. Verrückt, oder? Schande über mein Haupt … ach nein, ich will ja gut zu mir sein. Hast du dir eigentlich schon mal selbst den ganzen Tag zugehört? Wirklich darauf geachtet, wie du mit dir selbst sprichst? Das ist auch etwas, worauf ich in letzter Zeit verstärkt achte. Bin ich eigentlich selbst nett zu mir? Rede ich mir selbst gut zu? Bin ich mein größter Fan? Vielleicht noch nicht zu 100 %, aber es wird.

Was will ich jetzt eigentlich mit diesem Tagebucheintrag bezwecken, fragst du dich? Weißt du, ich habe mir vorab Zeit genommen und mir überlegt, was ich mir Gutes tue. Was mich glücklich macht. Kleine Dinge, die wir oft als selbstverständlich betrachten, die aber so existenziell für unser eigenes Wohlbefinden sind, dass ohne sie gar nichts mehr geht. Für mich wären dies Dinge wie:

🍝 Kochen

💅 Gesichtsmasken und Nägellackieren

🎨 Scratch-Bilder erstellen oder Mandalas ausmalen

đź’» Dokumentationen oder lustige Videos gucken

🎬 Selber Videos planen, drehen, schneiden

🎻 Musik hören und Musik machen

đź’† Thai-Massage, Sauna, Schwimmen, Sport

đź‘­ Zeit mit Freunden verbringen, die mir wirklich guttun

🔎 Putzen: „Aufgeräumtes Umfeld – aufgeräumter Kopf“ sagt man doch, oder?

Ich selbst sorge mich um mich und meine Multiple Sklerose.

Was dir guttut, liebe MS, das ist mir manchmal immer noch ein Rätsel. Ich finde aber, wir sind auf einem sehr guten Weg, uns immer besser kennenzulernen, unsere Bedürfnisse aufeinander abzustimmen und Kompromisse einzugehen. Alles mit der Ruhe. Wir haben alle Zeit der Welt, nicht wahr? Ich würde auch gerne all die stillen Mitleser einladen, sich ebenfalls Zeit für sich selbst zu nehmen. Sich zu überlegen, was ihnen guttut und dies aufzuschreiben, zu visualisieren. Zeit für und mit sich selbst empfinde ich als so wichtig. Wir sind die Menschen, mit denen wir am meisten Zeit verbringen. Genauso wie man seine Freunde zu einem leckeren Abendessen einlädt, warum nicht sich selbst einladen und verwöhnen? Sich selbst einen Spa-Gutschein schenken? Sich selbst ins Kino einladen? Sich selbst umarmen und sich zu sagen, dass man sich liebt? Glaub mir, es ist so ein schönes Gefühl, auch wenn es anfangs vielleicht ein bisschen merkwürdig ist. Aber bekanntlich macht Übung den Meister und Liebe kann man nie genug haben, finde ich. Wie siehst du das?

Bis zum nächsten Mal

Lara đź’“