Was suchen Sie?

Thema: Ernährung

View PDF
Essen

Mit Ernährung den Verlauf der MS selbst mitgestalten?

Wenn man an Multipler Sklerose erkrankt, kann man tief im Grunde des eigenen Körpergefühls erschüttert werden, die Diagnose MS kann schockieren. Sie ist absolute Stresssituation, Ausnahmezustand, Ohnmacht, Unverständnis und Kontrollverlust. Man muss sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass da etwas mit dem eigenen Körper passiert, was man weder verstehen noch heilen kann und auf das man, laut Aussagen der meisten Schulmediziner, wenig Einfluss hat. Doch ist das so? Gibt es vielleicht etwas, was man selbst in der Hand hat? Gibt es etwas, was man machen kann, damit Körper und Kopf gestärkt werden, was die MS günstig beeinflussen kann?

Zu selten wird bedacht, dass die richtige Ernährung einen Einfluss auf das Leben mit MS haben kann. Ich denke mit den richtigen Lebensmitteln, Fettsäuren und der richtigen Einstellung kann man als Betroffener etwas Kontrolle und Selbstbestimmung in sein Leben zurückholen und einen Teil dazu beitragen, trotz MS lange gesund und beweglich zu bleiben. Eine ausgewogene und vollwertige Ernährung kann sich bei jedem Menschen, egal ob gesund oder krank, günstig auf das Körpergefühl auswirken. Mit der richtigen Ernährung kann man Übergewicht und Untergewicht vorbeugen, den Körper mit der ausreichenden Menge an Vitaminen und Nährstoffen versorgen und damit körpereigene Selbstheilungskräfte unterstützen, Stoffwechselprozesse verbessern und das Immunsystem stärken. Nicht zu vergessen, wie positiv sich all diese Vorteile auch auf die Stimmung ausüben können.

Ich selbst habe mich nach der Diagnose auf das Thema Ernährung gestürzt, als würde mein Leben davon abhängen. Irgendwie tat es das ja auch. Ich hatte noch kein Gefühl für die Krankheit und war sehr verunsichert. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass mir die richtige Ernährung gut tut und Essen war etwas, was ich selbst in der Hand hatte. Das was ich esse, lag in meiner Kontrolle. Noch nie zuvor ist mir dieser Zusammenhang, dass ich aus dem bestehe, was ich esse, also meinem Körper zuführe, so klar geworden, wie in diesem Moment. Man ist, was man isst. Das Gefühl, mit Ernährung etwas Macht über diese unsichere Krankheit zu haben, war großartig und hat mir Halt gegeben. Ich bin darin aufgegangen. Es fiel mir so leicht, gesund zu essen, da ich so einen guten Grund hatte. Es ging ja um meine Gesundheit. Bei mir war gesunde Ernährung der erste Schritt in eine bessere Krankheitsverarbeitung und hat mir geholfen, in der Zeit nicht durchzudrehen und mich nicht aufzugeben. Ich habe wie ein Schwamm alles über MS-Diäten, Pflanzenöle, Omega-3-Fette, Vitamine, entzündungshemmende Kost, Nahrungsergänzung und Super Food aufgenommen. Ich habe meine Ernährung umgestellt, auf Alkohol und Zigaretten komplett verzichtet, zehn Kilo abgenommen und mich besser als jemals zuvor in meinem Leben gefühlt.

Auf das Thema MS und Ernährung muss man als Patient jedoch erst mal selbst stoßen. Meiner Erfahrung nach wird es von vielen Schulmedizinern einfach abgetan und unterschätzt und die Patienten werden dahingehend nicht ausreichend informiert. Wahrscheinlich wollen die Ärzte keine falschen Hoffnungen wecken. Das Internet ist voll mit Studien, Ratschlägen und unterschiedlichsten Meinungen und manche Beiträge könnten Patienten in die falsche Richtung lenken. Jedoch empfinde ich es auch als unterlassene Hilfeleistung, Patienten nicht über alternative Möglichkeiten zu informieren und eine ganzheitliche Behandlung aufzuzeigen. Zum ganzheitlichen Ansatz gehört definitiv auch das Thema Ernährung.

So wie ich das verstehe, ist Multiple Sklerose eine Autoimmunkrankheit, bei der aufgrund einer Fehlreaktion des Immunsystems Entzündungsherde an den Schutzhüllen der Nervenfasern, den sogenannten Myelinscheiden, entstehen. Diese Myelinscheiden bestehen neben Eiweißen zu einem Großteil aus Fetten. Ziel sollte also sein, diese Schutzhüllen zu stärken. Nahrungsfette sind für den Aufbau von Zellmembranen unverzichtbar und der Körper, insbesondere das Gehirn, benötigt diese um zu funktionieren. Es kommt lediglich auf den Verzehr der richtigen Fette an. Tierische (ungesättigte) Fette, wie sie vor allem in Fleisch und Wurst enthalten sind, fördern Entzündungsprozesse im Körper. Hingegen fördern ungesättigte Fette, vor allem Omega-3-Fettsäuren, die Bildung entzündungshemmender Stoffe. Sie sind vor allem in Fisch wie Lachs und Thunfisch, in Leinöl und in Walnüssen enthalten. Neben den richtigen Fetten ist gleichermaßen eine Zufuhr von Vitaminen und Antioxidantien für das Gehirn wichtig, da diese die Aktivität der sogenannten “freien Radikale” hemmen und die Integrität der Zellmembranen unterstützen.

Essen

Ich habe gelesen, dass vor allem in Obst und Gemüse viele Vitamine und Radikalfänger stecken. Je länger die Früchte reifen, umso größer ist der Gehalt an Radikalfängern. Um die Entzündungsprozesse im Körper einzudämmen, empfiehlt sich ebenso eine entzündungshemmende und basische Kost mit wenig Zucker und Kohlenhydraten und ohne Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker. Ein hoher Anteil an entzündungshemmenden Stoffen ist u.a. in Ingwer, Kurkuma, Zitrone, Spinat, Brokkoli, Kirschen und Papaya zu finden.

Genauso wie die MS eine chronische Erkrankung ist, die einen lebenslang begleitet, sollte eine gesunde Ernährung langfristig ausgerichtet sein und zu einem lebenslangen unterstützenden Begleiter werden. Eine Ernährungsumstellung muss nicht gleich Verzicht bedeuten. Ganz im Gegenteil. Man muss essen, um den Körper ausreichend zu versorgen. Wenn man sich mit Lebensmitteln intensiver auseinandersetzt und sich ausprobiert, entstehen ganz neue Ideen für leckere Rezepte. Frisch zubereitete Gerichte sind nicht nur wertvoller für den Körper, sondern oft auch viel leckerer als Fertigprodukte und Fast Food.

Sushi

Meiner Meinung nach ist es wichtig bei MS nicht in Passivität und Selbstmitleid zu verfallen. Vielleicht kann Ernährung der erste Schritt dazu sein, um als Betroffener das Gefühl zu bekommen, den Heilungsprozess selbst mitgestalten zu können und der Krankheit nicht ausgeliefert zu sein. Man sollte sich immer darauf konzentrieren, was machbar und veränderbar ist. Wir sind verantwortlich für unsere Ernährung. Natürlich ersetzt die Ernährung die Medikamente nicht. Aber genauso wenig kann eine gesunde Ernährung schädlich sein. Eine gesunde, ausgewogene, auf den richtigen Fettsäuren basierende Ernährung, ergänzend zur Basistherapie, kann nie schlecht sein. Wir haben die Verantwortung dafür, aus was unser Körper bestehen soll. Ernährung ist etwas, was wir selbst in der Hand haben.