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Thema: Arzt-Patienten-Beziehung

Multiple Sklerose Löwe

MONSTER

In diesem Sommer ist mir etwas widerfahren, das mir große Angst gemacht hat. Mein Monster hat sich wieder mal gemeldet und mir ganz klar gemacht, dass es noch da ist und einfach nur geschlafen hat.

Mit der Fatigue habe ich gelernt zu leben und auch mit meinen Wortfindungsstörungen habe ich mich arrangiert. Aber manchmal lauert da ein Monster tief in meinem Kopf, das mit dem Vergessen zu tun hat. Hier spreche ich nicht über Termine oder ein Telefonat, an das ich mich nicht mehr erinnern kann, sondern über ganz alltägliche Dinge: über Automatismen, die jedem eigentlich in Fleisch und Blut übergegangen sind oder sein sollten. Ich fühlte mich an diesem Tag richtig gut und mein Sohn bat mich, ihn zu einem bestimmten Laden zu fahren, weil er etwas kaufen wollte. Nachdem wir nach dem Einkauf noch ein Eis essen waren, fuhren wir wieder nach Hause. Dort angekommen fuhr ich in unsere Einfahrt, stellte mein Auto ab, wollte aussteigen und ... wusste plötzlich nicht mehr, wie ich aus dem Auto rauskomme!

Ich suchte den Türgriff an meinem Auto, das mich schon zehn Jahre begleitet. Ich saß völlig verwirrt im Auto, mein Sohn schaute mich an und fragte, was mit mir los ist. Ich war den Tränen nahe und sagte meinem Jungen, dass ich nicht weiß, wie ich rauskomme.In solchen Momenten überfällt mich Panik, der Schweiß bricht mir aus und aus meinem Wesen, das fast immer sehr optimistisch ist, wird ein verletzliches, kleines Etwas und ich habe das Gefühl, dass ich verrückt werde, einfach nackte Angst!

Normalerweise gebe ich immer gerne Tipps, wie ich dieses oder jenes meistere und hoffe, anderen Betroffenen damit helfen zu können. In diesem Fall aber kann ich das nicht! Ich atme einfach tief ein und aus und warte, bis die Erinnerung wiederkommt, denn dessen kann ich mir (bis jetzt noch) sicher sein. Das Monster in meinem Kopf sagt mir dann: Was tust du, wenn ich irgendwann einfach bleibe?