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Thema: Echt. MS!

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„Meld dich noch mal, wenn du wirklich weißt, was MS ist!“ So endete ein Gespräch damals kurz nach meiner eigenen Diagnose mit dem allerersten MS-Betroffenen überhaupt, den ich kontaktiert hatte. Er lebte schon seit einiger Zeit durch die Krankheit mit dem Rollstuhl. „Huch!“, dachte ich mir. Es scheint da eine unausgesprochene Rangliste zu existieren, auf der ich noch nicht dazu bevollmächtigt war, mit den Oberen zu kommunizieren.

Bevor ich also in die Lage kommen sollte, mich vor einem „Gesunden“ dafür zu rechtfertigen, dass ich zum Beispiel weiterhin Sport machen konnte – trotz MS –, musste ich mich vor einem von uns rechtfertigen. Das war mal unerwartet.

Ich bin besser krank als du!

Jede MS ist echt. Jede Facette der MS ist echt. Noch so groß, noch so klein. Noch so offensichtlich, noch so unsichtbar. Wer ist es, der meine und deine MS bewertet? Der ein Ranking erstellt? Der behauptet, dass du ja gar nicht so schlimm dran bist?

Dass es im normalen Leben da draußen oft ums Ellenbogenschmeißen und Bessersein geht, das ist eben unser Zeitgeist. Da habe ich mich dran gewöhnt und mittlerweile tropft es an mir ab.

Natürlich folgt es einer gewissen Logik, dass auch eine MS-Community nicht davon ausgenommen ist – wir werden überall und permanent auf Konkurrenzdenken konditioniert und dieselben Menschen, die dir ihre Tasche in den Rücken rammen, um sich schnell noch vor dir in die Bahn zu quetschen, können auch die sein, die morgen behaupten, deine MS sei ein Klacks. Im Vergleich.

Das war mir nicht völlig fremd, da ich schon in der Vergangenheit den Kampf um den Orden über das größte erlebte Leid bei der Krebserkrankung eines mir nahe stehenden Menschen mitbekommen hatte. Aber es dann selbst zu erfahren, hob diese Absurdität auf eine neue Stufe.

Ja, sogar im Kranksein kann man anscheinend besser sein.

Dabei ist es doch so schön, dass es uns nicht allen gleich schlecht oder gut geht. Nur so können wir uns gegenseitig helfende Hände reichen und wissen trotzdem, mit welchen Ängsten und Problemen man sich so herumzuschlagen hat, wenn MS Teil des eigenen Lebens wird.

Auf die Haltung kommt es an

Damals wie heute ist MS für mich etwas, was man in erster Linie im Kopf, in der Einstellung und in der Veränderung des eigenen Denkens beeinflusst. Und so kann der schwerste Verlauf viel weniger schlimm sein als ein bloßer Verdacht ohne jegliche Symptome.

Ich erlebe es so oft, dass Menschen mit einer gewissen Haltung zum Leben glücklich und mühelos in den Tag hineinleben, egal ob der Gehapparat noch funktioniert oder nicht.

Andere hingegen können nicht einmal den Wert ihrer voll funktionsfähigen Extremitäten erkennen und sind wie gelähmt vor Zukunftsangst. Beides ist da. Beides hat seine Berechtigung. Weder das eine noch das andere ist besser oder schlechter.

Was sagt also dein Status aus? Was sagt die Zeit aus, seit der du deine Diagnose hast? Was sagt der Grad deiner Einschränkung aus?

Nichts. Ist echt! Egal, bei wem.

MS Kriegerin