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Thema: MS & Scham

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Eine mit Kreide bemalte Straße

Nicht immer, aber …

Manchmal. Manchmal ist da auch Scham. Dann schäme ich mich, dass ich diejenige mit der Multiplen Sklerose bin. Dass ich diejenige bin, die nicht so kann wie die Anderen. Das ist ein doofes Gefühl und macht die MS sehr präsent in meinem Leben. So viel Raum möchte ich der Krankheit eigentlich gar nicht gewähren.

Das ist zum Glück nicht oft so. Eigentlich schränkt mich die MS nicht in meinem Alltag ein. Aber, wenn es im Sommer sehr heiß ist, dann spüre ich meine Begleiterin sehr stark und bin schneller müde als sonst. Das Uhthoff-Phänomen lässt grüßen. Dann wird die Multiple Sklerose quasi übermächtig. An solchen Tagen möchte ich mich am liebsten einfach mit einem kühlen Getränk in den Schatten legen und nichts tun, außer zwischendurch eine kalte Dusche zu nehmen oder meine Füße in das kühle Planschbecken meiner Kinder zu halten. Leider sind das auch die Tage, an denen gefühlt alle anderen Mamas mit ihren Kindern ins Freibad strömen. Natürlich möchten meine Kinder dann auch gerne mit dabei sein. „Mama, wir wollen auch mit ins Freibad. Das ist so doof! Nie gehst Du mit uns ins Freibad.“, sagen sie dann zu mir. Genau dann verfluche ich die MS und schäme mich. Auch vor den anderen Mamas, die wieder nachfragen, warum ich denn mit den Kindern nicht ins Freibad komme. Ich mag manchmal einfach nicht immer und immer wieder erklären, warum es mir inmitten der Menschen mit meinem Körper, der einfach nur nervt, nicht gut geht. 

Manchmal gehe ich dann trotzdem mit meinen Mädels ins Freibad. Denn natürlich kann ich es verstehen, dass sie auch im Freibad mit ihren Freundinnen gemeinsam schwimmen und plantschen möchten. Sie sind dann überglücklich und ich hinterher einfach nur noch fertig. Denn die anderen Mamas suchen sich mit ihren Kindern gerne sonnige Plätzchen, was mir leider gar nicht bekommt. Wenn ich gut drauf bin, habe ich auch das Selbstbewusstsein, alle Mamas und Kinder in den Schatten zu dirigieren. Aber manchmal ist sie dann wieder da, die Scham. Dann möchte ich nicht schon wieder die Spielverderberin sein, die wegen ihrer MS alle aus ihrer Fröhlichkeit im Freibad rausreißt und in den Schatten lotst. Und dann ärgere ich mich auch, denn alle anderen Mamas wissen von meiner Multiplen Sklerose und meinem Problem mit der Hitze. „Warum bringen sie mich jetzt wieder in diese Lage?“, frage ich mich dann. „Warum muss ich das nun wieder mit der Multiplen Sklerose sagen?“. 

Natürlich mache ich mir dann auch wieder selbst Vorwürfe, denn ich möchte mir die MS gar nicht so zu Herzen nehmen. Sie ist da und ich habe sie mir nicht ausgesucht, daher muss ich mich auch nicht für sie schämen. Schließlich kann die Krankheit jeden und jede treffen. Das weiß ich alles. Und trotzdem ist die Scham manchmal da.