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Thema: MS & Scham

Schriftzug Scham gibt es überall

Scham gibt es überall

Hallo ihr Lieben,

als mich das liebe Team von MS Persönlich fragte, ob ich etwas zum Thema „Scham“ veröffentlichen möchte, habe ich mir gedacht „ja cool, mach ich“. 

Was ist denn überhaupt Scham? Ich musste dann erstmal überlegen wie ich Scham beschreiben kann, was es für Arten von ihr gibt oder wie ich überhaupt darüber denke. Man macht sich ja nicht wirklich oft Gedanken über das Thema, weil man ja seit der frühen Kindheit mit Scham erzogen wurde (der eine mehr und der andere weniger).

„Die falsche Scham“

Gibt es überhaupt eine falsche Scham? Ja ich denke schon. Einige Menschen, die dies jetzt lesen, kennen vielleicht das Gefühl nichts wert zu sein oder sich als Mensch zweiter Klasse zu fühlen. Lasst euch eins sagen, ihr seid genau so viel wert wie jeder andere Mensch auf der Welt. Ich selber habe damit auch öfter zu tun. Weil man „behindert“, arm, obdachlos, kleinwüchsig ist oder eine schiefe Nase hat, unverschuldet Harz 4 bekommt oder vergewaltigt wurde, muss man sich nicht schämen! Ich weiß, jetzt denken viele bestimmt „der hat gut reden“, aber es ist doch so. Schämen müssen sich Menschen, die damit nicht umgehen können! 

Scham macht sprachlos und versiegelt besonders bei sexuellen Übergriffen das Geschehen. Die Opfer empfinden große Scham über das, was passiert ist. Wenn sie dann noch darüber sprechen sollen und die Tat zur Anzeige bringen, dann müssen Dinge gesagt werden, die lieber im Verborgenen bleiben. Lieber Schweigen als sich mit dem Erlebten preisgeben. Die Scham und das Gefühl der Ohnmacht hindert viele daran den Übergriff anzuzeigen. Dabei liegt die Scham beim Täter! Leider gibt es viele Frauen, die diese Schweine davon kommen lassen.

Wie komme ich jetzt von dem Thema Missbrauch zu anderen Themen, die eine „falsche Scham“ beinhalten? Ich mach einfach mal. 

Behindert sein, oder anders zu sein als andere Menschen ist doch nichts Schlimmes! Warum schämen sich Menschen mit einem Handicap? Vielleicht liegt es an den Menschen, die keine Behinderung haben, die mit dem „anders sein“ ein Problem haben. Die Menschen mit einem Handicap können meistens viel besser mit einer Behinderung umgehen, als Menschen ohne. Leider gibt es aber auch Leute, die mit ihrem Handicap nicht gut umgehen können, sie schämen sich deswegen. Es gibt aber keinen Grund, sich für sein „Anders-sein“ zu schämen. Im Gegenteil, es sollte lieber in den Köpfen der Betroffenen ein Gefühl der Besonderheit oder Einmaligkeit herrschen. Wenn man solch ein Gefühl entwickeln kann, dann ist viel gewonnen. 

Es hört sich jetzt vielleicht doof an, aber mir hat die MS auch etwas Gutes geschenkt. Zum Beispiel habe ich indirekt meine Freundin dadurch kennen gelernt. Ich sehe die Welt seit der MS mit anderen Augen. Wenn ich z.B. durch die Gegend rolle, sehe ich Dinge, die ich früher nicht gesehen hätte obwohl sie schon da waren. Meine Umwelt interessiert mich jetzt viel mehr als früher. Ich habe Menschen kennengelernt, die so lieb und herzlich sind, das ist ein richtig tolles Gefühl. Vor der Multiplen Sklerose waren mir andere Leute mehr oder weniger egal oder ich habe sehr oft nur an mich gedacht, das hat sich durch die MS geändert. Sie lässt mich viel weiter blicken als früher. 

Nein, ich schäme mich nicht für meine Krankheit oder „Behinderung“, ich schäme mich eher für mein Verhalten, das ich damals hatte. Die Menschen, die mit meinem „anders sein“ nicht klar kommen, sollten sich was schämen, aber nicht ich!

Es gibt so viele Gründe sich zu schämen, aber eine Krankheit, eine Behinderung oder ein Opfer eines Verbrechens zu sein, zählt auf gar keinen Fall dazu!

Torsten hält seine Hände vor dem Gesicht

„Scham in der Pflege“

Da viele Menschen diesen Beitrag lesen, die an MS oder einer anderen Krankheit leiden, sollte das Thema „Scham in der Pflege“ als zweites dran kommen.

Ich selber bin wegen der MS oft im Krankenhaus oder in der Reha, da habe ich mich mal mit dem Pflegepersonal unterhalten und die sehen das Thema recht entspannt. Es sei für Auszubildende oder für pflegende Personen, die den Job noch nicht so lange machen, ein größeres Thema. 

Gutes Pflegepersonal erkennt man auch am Verhalten den Patienten gegenüber. Ich denke auch, dass das Pflegepersonal mit den Patienten und den Kollegen offen über diverse „peinliche“ Situationen reden sollte, um die Hemmschwelle abzubauen oder damit besser umzugehen, schließlich dringen sie in die tiefste Intimsphäre und Tabuzone anderer Menschen ein. Dadurch entsteht eine Art gegenseitigen Respekts. Wenn die Pflegefachkraft nicht über ihr Schamgefühl offen und respektvoll mit ihren Kollegen reden kann, kann es meiner Meinung nach zu einer negativen Scham- Abwehr kommen. Das könnte unter anderem sein, das man schlecht über einen Patienten redet oder sarkastisch wird. Dann ist oft ein Konflikt mit dem Patienten vorprogrammiert. 

Bei demenzkranken Menschen gibt es bestimmt oft eine Situation, in der sich das Pflegepersonal manchmal fremdschämt, also sich für den Patienten schämt und damit umgehen muss. Ich glaube, wenn man locker an solche Situationen ran geht, dann ist das meistens für alle Beteiligten besser.

Schmutz, Unreinheit, Krankheiten, Schwäche und und und, gilt in unsere Gesellschaft als minderwertig, das sind aber auch Dinge, die sich jeden Tag das Pflegepersonal oder die Betreuer stellen. Als „Arschabwischer“ fühlt sich manch Pfleger oder Krankenschwester, weil sie zu wenig Anerkennung oder Akzeptanz aus der Gesellschaft erhalten. Das muss nicht sein, sie machen in der Regel einen super Job!

„Scham in der Wirtschaft“

Meiner Meinung nach haben Top-Manager ein sehr geringes Schamgefühl. Sie werden für ihre Unfähigkeit bei einem Rauswurf mit einer horrenden Abfindung noch belohnt. Aus meiner Sicht sind das Menschen ohne jegliche Scham. Es ist ja schön und gut das sie Millionen im Jahr verdienen, aber warum werden mit Top-Managern solche Verträge gemacht? Kein Wunder, dass solche Leute das Maß verlieren. 1 Beispiel: Der VW Abgasskandal, man spricht von einer existenzbedrohenden Krise, aber warum diskutierte man dann in der Chefetage, ob es eine Millionen schwere Bonuszahlung für den Vorstand gibt oder nicht? Zum Glück gab es die wohl nicht. Es ist für mich auch nicht nachvollziehbar, das man Verträge schließt, in denen ein garantiertes Ruhegehalt in Höhe von 3.100 € am Tag steht, also 1,2 Mio. im Monat. Geht’s noch? In meinen Augen haben solche Menschen kein Schamgefühl und das Maß verloren.

Ich weiß nicht wer von denen „Schambefreiter“ ist, aber eins ist sicher, die haben die Scham mit einem Schopflöffel gegessen. Bei vielen Politikern und Top- Managern aus aller Welt kann und muss man sich fremdschämen! Wo ist da das Sozialverhalten?

Es gäbe noch so viel worüber man zum Thema Scham schreiben könnte, das würde den Rahmen hier dann aber sprengen. Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick meiner Denkweise geben konnte und hoffe das euch der Artikel gefallen hat. 

Bis bald vielleicht mal.

Euer Torsten

 

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