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Thema: Selbstliebe

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Ein buntes Herz auf einer Leinwand

SELBSTLIEBE und MS – geht das? JA!

Selbstliebe – mehr als ein Wort

Selbstliebe – sich selbst lieben zu können… Dieses Wort begegnet mir immer wieder, wenn ich für meine Bücher recherchiere – es drängt sich mir förmlich auf. Denn schnell verbindet man mit diesem Wort auch etwas Negatives und wem wurde als Kind nicht manchmal eingetrichtert, dass man sich selbst nie zu sehr lieben darf?! Zumindest in meiner Generation. Und doch ist es eine so wichtige Grundlage für unser Leben.

Rein „technisch“ gesehen bezeichnet Selbstliebe die allumfassende Annahme seiner selbst in Form einer uneingeschränkten Liebe zu sich selbst. Selbstliebe hat klar auch mit Selbstachtung, Selbstzuwendung, Selbstvertrauen und dem Selbstwert zu tun – so meine Erfahrung. Wenn man hierbei davon ausgeht, dass es sich um eine gesunde Selbstliebe handelt, die auch einen gesunden Körper und eine gesunde Seele als Pendant hat, erscheint es gar nicht mal so schwierig.

Ich bin wer ich bin.

Liebe ich mich selbst nicht genug?

Aber sobald die körperliche Verfassung vielleicht nicht mehr der „Norm“ entspricht, erscheint uns Selbstliebe als ein äußerst schwieriges Unterfangen! Wie oft stehen wir kritisch vor dem Spiegel und finden uns zu dick, die Haare zu dünn, die Augen nicht strahlend genug oder Sonstiges! Sehr oft! Wo ist sie dann, unsere Selbstliebe? Wenn ich mir meine Kinder, meinen Mann oder meinen Hund anschaue, bin ich nicht so kritisch – aber bei mir selbst schon deutlich schneller! Klare Antwort: ich liebe ja auch meine Kinder, meinen Mann und meinen Hund. ;)
Hmmm, liebe ich mich selbst nicht genug, um über Kleinigkeiten hinweg zu sehen?

Liebe Multiple Sklerose

Behinderung und Selbstliebe

Diese Frage war Grund genug für mich, mich auf die Suche zu machen und Überlegungen anzustellen, um der Sache auf den Grund zu gehen.Bei Menschen mit Behinderungen jeglicher Art kommt erschwerend hinzu, dass der eigene Körper nämlich vielleicht tatsächlich nicht der so gepriesenen „Norm“ entspricht. Ein Bein hinkt, die Hände zittern, die Koordination und das Gleichgewicht lassen uns taumeln und orientierungslos werden. Selbst die Sprache und das Gedächtnis können betroffen sein – wenn man beispielsweise eine Erkrankung wie MS hat! Da kann dasSelbstbild unweigerlich verrutschen! Je nach Selbststand rutscht es ins Bodenlose ab. Mit einem guten Selbstbewusstsein kann man es auffangen oder zumindest kann man wahrnehmen, dass das Selbstbild abhandengekommen sein könnte. Selbsthilfe ist hier gefragt und wenn man das nicht schafft, sollte man niemals den Weg zu einem Therapeuten scheuen.

DENN ich seh es so: Liebt man sich nicht selbst genug, dann wird man mit körperlichen Beeinträchtigungen und Defiziten deutlich mehr zu kämpfen haben. Man verfällt womöglich in die „Rechtfertigung“ oder fühlt sich schuldig. Selbst die Interaktion mit der Umwelt wird zu einem wesentlichen Teil durch die Selbstliebe einer Person geprägt. Die Selbstliebe nämlich gilt auch als Voraussetzung für eine gute Verbindung zur Welt und zu anderen Menschen. Und nur wer sich selbst genügend liebt und wertschätzt, kann eine stabile Beziehung zu anderen Personen aufbauen.

Sexy auch im Rollstuhl

Was heißt das also „auf die Schnelle“ für uns? 

Wir müssen lernen, uns so anzunehmen, wie wir sind. Wir müssen uns selbst auch immer da abholen, wo wir tatsächlich gerade „stehen“. Eine zu hohe Erwartung an sich selbst zu haben, kann beispielsweise zu tiefer Verzweiflung führen. Ein Rollstuhlfahrer, der sich nicht lieben kann, weil er im Rollstuhl sitzt und seine Erwartung darauf projiziert, dass er morgen wieder „hüpfen und springen“ möchte und kann, wird nicht glücklich werden, denn Hüpfen wird er vermutlich nicht schaffen (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das heißt, er muss lernen, sich so anzunehmen: im Rolli sitzend – und sich so, genau SO zu lieben. Dann wird er auch begreifen, dass es die Ausstrahlung eines Menschen ist, die zählt, der Charakter - und dass der soziale Umgang im Miteinander und nicht die Behinderung den Menschen ausmacht! Mit meiner Fatigue würde das bedeuten, dass ich mich lieben lerne, auch wenn ich nicht so viel Ausdauer und Kraft habe wie andere – dass ich akzeptiere, dass es so ist und ich dafür vielleicht andere Qualitäten habe….

Ich glaube an mich und nehme jedes Hindernis!

Ein Prozess

Wenn man das begreift, kommt man der Selbstliebe näher, da man sich selbst ACHTET, sich mit Respekt begegnet – sozusagen mit sich selbst auf Augenhöhe ist. Einfach ist das nicht und es gehört viel Disziplin dazu, nicht wieder in alte und nörgelnde Verhaltensmuster zurückzufallen. Aber wenn man sich auf den Weg macht, sich selbst reflektierend beobachtet und den Mut hat, in den „Spiegel der Reflexion“ zu schauen und das Gesehene anzunehmen vermag – dann ist man schon mitten drin. Drin im Prozess der Selbstfindung, der Achtsamkeit und Selbstfürsorge und somit auf dem Weg zur Selbstliebe.

Ich habe MS- Ich bin immer noch Ich!

Ich übe – täglich!
Auch MIT Behinderung ist man äußerst liebenswert!!! Denn wenn wir lieben - das wissen wir eigentlich genau - kommt es auf Äußerlichkeiten doch nicht wirklich an! Also hinein ins Trainingslager der Selbstliebe mit Respekt vor uns selbst! Betrachten wir uns dazu einfach einmal mit den Augen derer, die UNS LIEBEN!

Ich bin vielleicht ANDERS, nicht mehr und nicht weniger!