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Thema: Sexualität

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Sexualität bei MS

Ich habe inzwischen seit fast zehn Jahren die leicht zweifelhafte Ehre, die MS in meinem Körper zu beherbergen. Leider inzwischen mit ein paar Handicaps wie Sensibilitätsstörungen an bestimmten Körperstellen oder auch ganz berührungsunempfindliche Punkte. Oder schmerzvolle Stellen, die man besser nicht berühren sollte.

Seit der Diagnose ist einige Zeit vergangen. Die MS begleitet mich, beeinflusst mich, hat mir aber auch den Impuls geliefert, mich selbst zu reflektieren beziehungsweise infrage zu stellen. Inzwischen bearbeite ich auch andere Themen, die mich beschäftigen, mit dieser Methode.

Habe ich noch Spaß am Sex bzw. habe ich überhaupt welchen?

Ja und ja! Der Spaß am Sex ist während der letzten Jahre nicht vergangen, hat sich aber etwas verändert. Kurz nach der Diagnose bekam ich ein Antidepressivum verschrieben, was das Verlangen nach Sex ein wenig dämpfte.

Dieses nehme ich immer noch, jedoch nur noch mit einem Bruchteil der Dosierung von früher. Während ich das Medikament in voller Dosis nahm, flaute das Interesse am Sex ab. Mein Freund bemerkte das auch, ging aber sehr gut damit um und fragte mich einfach.

Zusammen sprachen wir darüber, warum und wieso das so sei und überlegten gemeinsam, wie wir das Ganze lösen könnten. Eine unserer Ideen war es, bei einer Shoppingtour schöne Unterwäsche für den anderen auszusuchen, uns die dann zu zeigen und auch anzuprobieren. Das hat für einiges an Spannung gesorgt! Und wieder haben wir darüber gesprochen: Was gefällt uns am anderen? Und wieso?

Die körperliche Seite

Eine der Nebenwirkungen des Antidepressivums war eine Austrocknung der Schleimhäute, was sich anhand einer Trockenheit der Vagina auf das Sexleben auswirkte. Anfangs fiel es nicht so auf, dass ich etwas trockener war als davor. Das sorgte dann aber auf Dauer doch wieder für Irritationen bei meinem Freund, der sich fragte, ob er mich körperlich nicht mehr erregen konnte. Auch dieses Mal haben wir wieder miteinander gesprochen und gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Es war eigentlich recht simpel und einfach: Gleitcreme, wenn ich merke, dass es mehr „reibt“, als es eigentlich sollte.

Das anzusprechen hat mich etwas Überwindung gekostet, was ich ihm auch sagte, aber er nahm mich in den Arm und sagte, dass wir das hinbekommen.

Da die MS mir auch einen Hang zu Harnwegsinfekten beschert hat, beeinflusst das natürlich auch das Liebesleben, da man während des Infekts am besten keinen Sex hat. Wenn das Antibiotikum dann wieder den Schutz der Pille verhagelt, ist das ein weiterer Punkt, der einen ärgert.

Sensibilitätsstörungen sind blöd, aber kein Hindernis

Was mich auch noch beschäftigte, war die Frage, ob mich meine Sensibilitätsstörungen bei diesem Thema beeinflussen, auch im Vergleich von früher zu heute. Ich fühle an den Händen, am Bauch und am rechten Bein an manchen Stellen sehr wenig. Das Liebesspiel mit den Händen wurde damit etwas schwieriger, da ich öfter zu fest oder grobmotorisch agierte. Aber auch das haben wir durch gemeinsames Ausprobieren ganz romantisch aufeinander abgestimmt.

Weiter habe ich eine Stelle am Oberschenkel, die schmerzempfindlich ist. Die ersten Male, als mein Freund sie berührte, zuckte ich unbewusst zusammen, was bei ihm wieder Sorgen auslöste und die Frage aufkam, was er denn falsch gemacht habe.

Nachdem ich selbst etwas hin und her getastet habe und die Berührungen auch schmerzten, wenn ich sie ausführte, sprachen wir wieder über das Thema, wie viel ich wo spürte. Dabei nahm ich seine Hand und zeigte ihm, welche Stellen betroffen sind. Als Vergleich benutzte ich eine Frischhaltefolie und spannte sie bei ihm über eine Hand. Das wirkte und brachte es ihm ganz plastisch nahe.

Mein Fazit: reden!

Als mein Endergebnis der Betrachtung und Reflektionen aus den verschiedenen Themenbereichen überwiegt eines: die Kommunikation untereinander! Der Austausch ohne Hemmungen und auf Augenhöhe hat unserer Sexualität sehr geholfen!

Wichtig ist nur, es wirklich zu tun. Falls in der Zukunft noch weitere Probleme auf uns zukommen, werden wir diesen Kurs weiter fahren!

 

Kerstin heißt eigentlich gar nicht Kerstin, die Bloggerin wollte anonym bleiben – wir haben ihren Namen geändert. Ihr Freund ist Marc, dessen Namen wir auch geändert haben. Hier geht es zum Blogbeitrag von Marc.