Was suchen Sie?

Thema: Väter & MS

View PDF
Chris

Vater zum ²

Fast drei Jahre ist es jetzt her, dass die Diagnose mich ereilt hat. Mein Sohn war zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt. Zugegebener Maßen brauchte ich erst mal selbst eine Weile, um diese Pille zu schlucken. Alles war neu, niederschlagend und im ersten Moment überhaupt nicht zu gebrauchen. Ich brauchte so meine Zeit, mich mit dem Thema auseinander zu setzen und mir intern einen Schlachtplan zu erstellen.

Ich weiß tatsächlich nicht mehr ganz genau wann ich meinem Sohn beigebracht habe, was mit seinem Papa los ist. - Ich glaube es war nach oder während des dritten Schubes als ich plötzlich meine Hände mitunter nicht spüren konnte und ich den Henkel meines Bechers nicht mehr gerade halten und mir den heißen Tee über die Knochen kippte -

Aus dem Krankenhaus hatte ich mir damals Material für Kinder mitgebracht. Dort war kindgerecht erklärt was MS ist und es war in gewisser Weise nachvollziehbar. Das einzige was mein Sohn mich damals fragte war: „ Stirbt man davon?“ und ich konnte das verneinen. Das hat absolut gereicht als Antwort. Irgendwann hat er im Zuge dessen auch mal gesagt, dass er Neurologe werden will und dass er was erfindet, was alle mit MS heilt.

Mittlerweile steht er kurz vor seinem 15.ten Geburtstag und ich weiß nie so genau, was er heute über meine MS denkt. Er sieht jedoch, was sein Dad alles auf diesem Sektor unternimmt, weiß das ich Blogger bin, viel mit Gleichgesinnten in Kontakt stehe und anderen Betroffenen helfe.

Ich denke die wirklich schlimmen Verläufe blendet er einfach aus, denn noch joggt sein Dad hier durch die Stadt wie ein Irrer. .

Im letzten Jahr haben wir zusammen seine erste Vespa restauriert. Wir haben sie zusammen vollständig demontiert, lackiert und wieder zusammengebaut. Nun steht sie fertig in der Garage und wartet auf seinen 16.ten Geburtstag. Außerdem hole ich mir regelmäßig von meinem Sohn im Golf eine Klatsche ab. Dabei steht der Spaß immer im Vordergrund. Auf dem Golfplatz verbringt man viel Zeit zusammen und kann mal einen ausschnacken.
Mein Vater war derjenige, der meinen Junior zum Golf animiert hat, der wiederum mich dazu animiert hat, sodass im Sommer 2016 drei Generationen zusammen in Schweden auf dem Golfplatz standen.

Und genau da sind wir beim ². Auch ich bin Sohn und auch meinen Vater beschäftigt meine Erkrankung sehr. Bei ihm selbst bestand auch mal der Verdacht auf MS, was sich später aber als Borreliose entpuppte. Er wusste was es ist, als ich die Diagnose bekommen habe. Ich glaube für meinen Vater war anfangs sehr schlimm zu akzeptieren, dass ausgerechnet seinen Sohn dieses Schicksal trifft. Wir reden viel darüber, wenn es was Neues gibt und in welche Richtungen die Forschungsansätze gehen. Mein Vater verfolgt meinen Blog und ist jederzeit aufmerksam, wenn ich mal wieder im Namen der MS unterwegs bin. Dadurch, dass meine Ärzte zum richtigen Zeitpunkt ne Vollbremsung für mich gemacht haben, geht es mir nach wie vor hervorragend. Nichts desto trotz, ist er auch ein Vater, der immer wieder zu mir sagt „Junge, übertreibe es nicht und pass auf Dich auf“ …So und jeder, der hier als Sohn oder Tochter liest kennt die Antwort *lach*.

Damit das Thema hier nicht zu „Väterlastig“ wird, möchte ich an dieser Stelle aber auch nochmal erwähnen, dass auch meine Mutter und der Rest der Familie sich viele Gedanken um mich machen und immer ein offenes Ohr für mich und meine Begleiterin MS haben *wink*.

Chris steht auf der Mauer

Ich kann heute nicht sagen wie es weiter gehen wird, aber ich tue alles dafür, dass es so bleibt und ich hoffe, ich kann meinem Sohn durch meinen Umgang mit der Krankheit aufzeigen, dass man nie den Kopf in den Sand stecken darf. Ich find es sehr schön, dass ich ihm ein anderes Bild der Krankheit geben kann, denn MS ist nicht = Rollstuhl.

Aufgeben ist für mich nur ein Wort ohne Bedeutung… Nimm das mit auf Deine Reise junger Padawan…