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Thema: Verluste und Gewinne

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Verlust oder Gewinn? Egal ich habe es geschafft!

MS, das kleine Wörtchen mit den 2 Buchstaben – es verändert so einiges. Wer die Diagnose erhält wird von jetzt auf sofort mit einer „bedrohlichen Erkrankung“ konfrontiert. Das, was man allerdings daraus macht, prägt unser Leben und unseren Alltag und beeinflusst unser Denken!

Ich habe mir in 22 Jahren MS-Karriere angewöhnt den Symptomen klar ins Angesicht zu blicken. Dieses deutliche Benennen hilft mir bei der Bewältigung dieser Krankheit – denn ich verdränge nichts, sondern schaue hin. Und zwar genau!

COPING

Hinschauen wiederum bedeutet, dass man sich mitten im „Copen“ befindet: man beschäftigt sich mit seiner Erkrankung und zwar so, dass man gute und sinnvolle und vor allem den eigenen Bedürfnissen angepasste Wege und Mittel findet, um mit ihr möglichst lebensbejahend umzugehen.

Und dazu gehört auch, dass man sich nicht nur den Symptomen stellt, sondern auch all dem, was diese Beeinträchtigungen verursachen: im Positiven, wie aber auch im Negativen.

Mir hat die MS sehr viel Lebensqualität genommen – ich habe durch meine sehr ausgeprägte Fatigue einen herben Verlust erlitten – in vielen Bereichen: ich musste mich frühverrenten lassen und meinen geliebten Beruf aufgeben; ich kann nur noch mit einem großen Energiemanagement meinen Tag planen; ich kann deutlich weniger leisten, seltener an Partys teilnehmen und muss gar unsere Urlaubsplanung komplett darauf einstellen. Für mich – als äußerst lebenslustigen und eigentlich so umtriebigen lebendigen Menschen –  ein wirklicher Verlust! Es ist so Vieles einfach anders und beschwerlicher geworden.

Aber anders heißt nicht unbedingt „schlimmer“ – ich verzage deswegen nicht. Ich sehe mir diesen Verlust an und versuche trotzdem über mein Leben selbstbestimmt dominieren zu können und all diesen Beeinträchtigungen keine Oberhand gewinnen zu lassen.

Wie mir das gelingt?

Ganz ehrlich: nicht immer J Aber immerhin so gut, dass ich mein Leben liebe, dass ich besondere Aktionen doppelt genieße, weil sie umso wertvoller sind. Ich freue mich über Kleinigkeiten, über Fortschritte und über das Leben an sich – ich „cope“ sozusagen sehr aktiv und – ganz wichtig: ich versuche diesen unschönen Verlusten doch auch etwas GUTES abzugewinnen und sie mit schönen Erlebnissen zu kompensieren. Ein erfülltes Leben möchte ich nämlich trotzdem haben – und es funktioniert!

Ganz ehrlich: ich brauche keine MS. Genauso ehrlich stelle ich aber fest, dass ich auf Grund der MS schon so Vieles erlebt habe, was ich vielleicht ohne diese Erkrankung nicht erfahren oder kennengelernt hätte. Deshalb bin ich zwar der MS nicht dankbar, aber ich denke, dass es eine grundsätzliche Einstellung zum Leben ist, wenn man versucht, das Positive aus irgendeinem Mist zu ziehen!

Aus den Scherben etwas bauen

Mein Bruder sagte mir einmal: „Du hast aus all diesem Mist noch etwas Tolles geschaffen!“ Erst einmal ist das ein wundervoller sehr zugewandter Satz und zweitens machte er mir so sehr deutlich, dass es tatsächlich so ist.
In meinem Fall entdeckte ich das Bloggen. Mein Schreiben ist für mich eine Art Therapie; ich verarbeite dabei meine MS. Das ist doch wundervoll – und ich kann meine Gedanken gleichzeitig noch hinaus in die Welt schicken und hoffen, bzw. dankbar sein, dass sie anderen Menschen helfen, wenn sie sich in meinen Texten wiederfinden können.

gestaplete Steine am Meer

Und ich konnte mich endlich wieder dem Malen widmen und habe diese wundervolle Verbindung zwischen der Leinwand – dem „Stoff“ und dem Pinsel – gespürt und somit erlebt, wie viel Freiheit mir das Malen schenkt – welche Ausdrucksform um wieder einmal die MS hinten an zu schieben.

Unser Hund Smiley, den ich ohne MS nicht in mein Leben integriert hätte und welch einmalig wertvolle Schätze diese Beziehung birgt. J Durch ihn habe ich beispielsweise auch wieder die heilende Wirkung der Natur erfahren dürfen…

Ich habe ebenfalls viele neue sehr nahe und innige Freundschaften geschlossen, die die alten Freundschaften, die auf Grund meiner MS auseinandergebrochen sind, schon längst ersetzt haben.

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Wenn ich Resümee ziehe, sehe ich ganz klar, dass mir die MS viel tolles Neues gebracht hat – neue Chancen und Möglichkeiten; neue Wege, die aufregend und vielfältig sind und die zum Teil sogar auf meinem ursprünglichen beruflichen Fundament aufbauen (beispielsweise hilft mir beim Schreiben meiner Bücher das pädagogisch/psychologische Basiswissen enorm) und daraus wiederum haben sich noch weitere Türen geöffnet!

Es gäbe noch unzählige Beispiele, warum ich das Leben liebe – auch mit MS!

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Sicherlich wäre ich lieber gesund und voll leistungsfähig und doch ist auch einer meiner Träume – nämlich das Schreiben/Bloggen – wahr geworden. Vielleicht muss man wirklich versuchen aus den Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, etwas Schönes zu bauen: Brücken zum Beispiel und neue Türen, die sich ganz leicht öffnen lassen. 

GZDE.MS.16.08.0950