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Thema: Kognitionstraining – Tipps und Tricks

Turmspringen Multiple Sklerose

Was ist eigentlich Kognition?

Als kognitive Fähigkeiten bezeichnet man „höhere“ Gehirnfunktionen, also alle Fähigkeiten, die mit Wahrnehmen, Denken, Planen, Lernen und Erinnern zu tun haben. Mitte Juni 2016 wurde bei mir MS diagnostiziert.

Mein erstes Symptom: Doppelsichtigkeit. Schielen für Profis. Damit durfte ich nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen. Weder mit Auto, Motorrad oder Fahrrad. Also zu Hause einschließen und warten, bis es weg ist? Pustekuchen! Zwei Wochen nach der Diagnose bin ich als Highdiver bei einem Showspringen in der Schweiz mit mehreren Salti und Schrauben aus 20 Metern Höhe ins Wasser gesprungen. Highdiving? Das ist wie klassisches Turmspringen vom 10-Meter-Turm. Nur eben ein bisschen höher. Und ja, zwei Wochen später habe ich immer noch doppelt gesehen.

Und DAS soll etwas mit Kognition zu tun haben?

JA! Denn das war quasi Kognitionstraining am Limit. Kognitive Fähigkeiten sind unter anderem das Zustandekommen von Entscheidungen, bewusste Erinnern und Lernen. Und trotz meiner Diagnose springen zu gehen und damit meiner Leidenschaft nachgehen zu können hat mir persönlich unendlich geholfen, die MS zu akzeptieren.

Und jeder Sport ist Kognitionstraining, denn der Körper wird in verschiedenen Bereichen gefordert. Vom 10-Meter-Turm zu springen war für mich sportlicher Alltag und irgendwann bin ich zum ersten Mal von 20 Metern gesprungen. Was bedeutet das für das Gehirn? Neben einer verdammt großen Portion Adrenalin sind die genannten drei Dinge existenziell: Ich habe mich dazu entschieden, von 20 Metern zu springen. Mein Gehirn erinnert sich an das Training vom 10-Meter-Turm und dann muss ich „nur noch“ lernen, wo denn die Unterschiede zwischen zehn und 20 Metern sind.

Du springst persönlich weder von 20 Metern, fünf Metern oder einem Meter und fragst dich, wie dir das helfen soll, deine kognitiven Fähigkeiten zu verbessern? Bevor ich überhaupt von irgendwo runterspringe, steht ganz simples Grundlagentraining auf dem Plan. Mein Lieblingsbeispiel kennt wohl jeder: „Stein, Schere, Papier“, „Schnick, Schnack, Schnuck“ oder wie auch immer du es nennst. Aber statt der besagten Formen zeigst du mit deiner linken Hand einen „Daumen nach oben“ und mit der rechten Hand streckst du den Zeigefinger.

Beim nächsten „Schnick, Schnack, Schnuck“ genau umgekehrt. Linke Hand, linker Zeigefinger, rechte Hand, rechter Daumen. Im Sitzen oder Stehen zu einfach? Mach es beim Gehen oder Joggen in einem beliebigen Rhythmus. Du hast außerdem mehr als Daumen und Zeigefinger. Variiere deine Finger beliebig. Kombiniere doch mal Ring- und Mittelfinger an der einen und den kleinen Finger an der anderen Hand.

Kein Alkohol, dafür mehr Vorstellungskraft

Na gut, ich gebe zu, von „Schnick, Schnack, Schnuck“ lernt niemand Turmspringen. Aber es ist ein schönes Beispiel für die Auge-Hand-Koordination, ein wichtiger Aspekt im Training der kognitiven Leistung des Gehirns. Eines meiner aktuellen MS-Symptome ist die koordinative Beeinträchtigung meiner (Fein-)Motorik im linken Arm und Bein. Ein Symptom, das viele Außenstehende als „Der hat doch gestern einen über den Durst getrunken“ einordnen. Nein, ich trinke seit meiner Diagnose keinen Alkohol mehr, aber ich torkele trotzdem. Deshalb trainiere ich gerne den Handstand. Denn interessanterweise schwanke ich nur, wenn ich auf meinen Füßen stehe. Im Handstand hat mein Körper offenbar andere Dinge zu tun, als sich auf das Torkeln zu konzentrieren.

Handstand Multiple Sklerose Blogger Patrick

Außerdem ist es beim Turmspringen wichtig, sich seine Sprünge visuell vorzustellen. Wie oft sehe ich das Wasser bei einem Dreifachsalto? Wo baue ich zwischendurch noch die Schraube ein? Und wann muss ich den Sprung öffnen? So unspannend das auch klingt: Sich den Sprung lediglich vorzustellen, treibt das Gehirn zu kognitiven Höchstleistungen an.

Aber es gibt selbstverständlich noch so viel mehr. Und man muss sich für seine kognitiven Fähigkeiten definitiv nicht körperlich anstrengen. Wie wäre es, eine neue Sprache zu lernen? Das trainiert das Kurz- und Langzeitgedächtnis und ist eine bewusste Lernentscheidung. Kostenlose App aufs Smartphone und los geht’s.

Reisen – der unbewusste Kognitionstrainer

Kognition betrifft oft das Kurzzeitgedächtnis, die komplexe Aufmerksamkeitsteilung und die Informationsverarbeitung werden beeinträchtigt und unser Planen und Handeln kann betroffen sein. Wie wäre es deshalb mit einer Reise? Karibik? Afrika? Südamerika? Es muss aber auch nicht immer ein weit entferntes Land sein. Zumal wir unserem persönlichen ökologischen Fußabdruck keinen Gefallen tun. In Deutschland gibt es so viele schöne Orte, die gerne entdeckt werden möchten. Denn egal wo man ist, trainiert wird überall das Gleiche. Wo geht es gleich nochmal zum Restaurant? Rechts oder links? Und welche Buslinie müssen wir danach nehmen? Morgen geht es dann aber ins Museum. Oder doch lieber in die Kunstausstellung?

Egal wie und wohin, die kognitiven Fähigkeiten des Gehirns werden dadurch unterbewusst trainiert. Und für mich persönlich am allerwichtigsten: Egal welches, egal wie stark, egal zu welchem Zeitpunkt: Die MS hat kein einziges klinisch positives Symptom. Ich habe gelernt, jede negative Phase mit positiven Gedanken zu überstehen. Und kognitives Training ist ein wichtiger Schritt in meiner persönlichen MS-Reise. Kopf hoch, Blick nach vorne und ein Lächeln auf die Lippen. Es geht immer weiter. :)

Kognitionstraining bei MS – Tipps und Tricks
Wahrnehmungen/Kurz- und Langzeitgedächtnis/Bewusstes Lernen und Erinnern/Sprache und Spracherkennung/Zustandekommen von Entscheidungen und Urteilen