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Thema: Kognition & MS

Eieruhr mit Notizzettel

Hab ich jetzt oder nicht....?

Meine MS hat mir bisher keine nennenswerten körperlichen Einschränkungen hinterlassen, kognitive jedoch schon...
Manchmal, an wirklich düsteren Tagen, die ich natürlich auch habe, befürchte ich an der Schwelle zur Demenz zu stehen. So oder so ähnlich stelle ich mir das nämlich vor!
Ich habe dann und wann Wortfindungsstörungen und bin wirklich kreativ im Worte erfinden! Ihr habt sicherlich eine Eieruhr zu Hause. Bei mir heißt das anders....

Mein allergrößtes Problem, welches mich sehr belastet, ist das ständige Vergessen! Oft sagt man zu mir, dass das doch gar nicht so schlimm sei, schließlich vergisst jeder mal was.....

Ja, ja, meine Güte ich weiß das und ich weiß auch wie sich das „mal“ vergessen anfühlt, wenn man gesund ist, ich war es ja auch mal. Mein Vergessen begleitet mich aber tagtäglich!

Tatsächlich habe ich jeden einzelnen Tag total durchgeplant. Jede Kleinigkeit, die ich machen will oder muss wird bei mir akribisch aufgeschrieben.  Jeder Tag wird von einer To-Do-Liste, auf der wirklich, für manch gesunde Menschen, Nichtigkeiten stehen, beherrscht. Von Pausenbrote machen über Tiere füttern bis hin zu Blumen gießen.

Ich lese und rezensiere Bücher. Von Zeit zu Zeit nimmt mein „SuB“ (Stapel ungelesener Bücher) bei mir allerdings astronomische Ausmaße an! Ich versuche nicht mehr als zwei bis drei Rezensionsexemplare pro Monat anzunehmen, allerdings ist das nicht immer möglich. Manchmal finden sich in meinem Briefkasten auch Bücher, von denen ich gar nicht weiß, jemals eine Anfrage dazu bekommen zu haben. Oder habe ich  es wieder nur vergessen, ich Schussel? Wie auch immer – ich muss/will sie lesen und besprechen, davon lebt mein Blog, der mir so unendlich wichtig ist! Ich muss mir beim Lesen schon Notizen machen, damit mir ja nichts entgeht und am liebsten rezensiere ich sofort nach Beendigung eines Buches, wenn die Erinnerung noch frisch ist, was auch nicht immer möglich ist, denn es gibt ja auch noch ein Leben ohne Bücher. Wenn ich meine Notizen nicht hätte, wäre ich vollkommen aufgeschmissen. Deshalb vergleiche ich das Rezensieren auch mit Arbeit. Eine sehr schöne Arbeit aber manchmal für mich wirklich anstrengend!

Ich habe in meinem Lesezimmer sogar eine „Vergiss-das-bloß-niemals-Wand“! Ich liebe die Fotos und Postkarten, die dort angepinnt sind. Meist mit Erlebnissen verknüpft, die mir so wichtig waren und die ich nie vergessen will! Wenn einer meiner Düster-Tage kommt, schaue ich mir diese Wand an und oft geht es mir danach besser!

Wie auch immer – ich habe für mich einen Weg gefunden, das alles zu bewältigen. Ich hoffe nur, dass das mit meiner Vergesslichkeit nicht noch schlimmer wird, denn das macht mir wirklich Angst!