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Thema: Fatigue

Marie & Andre, Fatigue

Ich will mich jetzt ausruhen, hier und jetzt!

Öfter als mir lieb ist wache ich morgens auf und bin hundemüde. Nicht weil ich am Vorabend feiern war oder mir die Nächte sonstwie um die Ohren schlage, sondern weil ich phasenweise an starker Fatigue leide. Wie genau sich das anfühlt ist schwer in Worte zu fassen, denn einfach zu sagen "ich bin müde" trifft es nicht. Man fühlt sich mehr als nur müde - erschlagen, ausgelaugt, unfähig klar zu denken. Manchmal möchte man sich einfach nur mitten auf der Straße hinlegen und ein Nickerchen halten, jetzt sofort und genau hier. Natürlich schleppe ich mich trotzdem weiter durch den Tag, fühle mich dabei aber als würde mich eine unfassbar schwere Metallkugel zurückhalten, meine Beine sind schwer, mein Kopf ist langsam, mein Blick ist getrübt. Ich will mich ausruhen, hier und jetzt.

Meine Fatigue kommt phasenweise, ich habe sie mehrere Tage oder Wochen quasi durchgehend und dann wird es für mehrere Tage oder Wochen wieder besser. Wann und wo und wie lange diese Fatigue-Phasen kommen, weiß ich nicht. Es kann überall und jederzeit soweit sein. Da ist er wieder, der unberechenbare Aspekt der Multiplen Sklerose.

Schon seit langem versuche ich die Fatigue in Grenzen zu halten, indem ich mich gesund ernähre und moderaten Sport treibe. Yoga ist dabei meine Lieblingsbeschäftigung. Je nach Verfassung mache ich eine fordernde Yogapraxis oder auch mal eine ruhigere. Ich achte immer darauf was mir gut tut und wie viel ich schaffe. Zuviel Weißmehl und raffinierten Zucker habe ich aus meinen Speiseplan gestrichen und ich ernähre mich vegan, das heißt ich esse keine Lebensmittel tierischer Herkunft. Zum Glück macht mir Kochen unfassbar viel Spaß, denn fast jeden Tag bereite ich mein Essen selbst frisch zu. So habe ich die beste Kontrolle was genau drin ist. Ob all die gesunde Ernährung und das Yoga wirklich gegen die Fatigue hilft kann ich natürlich nicht sagen, aber vermutlich ist das ohnehin nicht die schlechteste Idee auf sich, und das was man in sich reinstopft zu achten.

Mein Arzt empfiehlt mir gerne Ausdauersport. Der hat ja aber auch leicht reden, er wacht ja nicht morgens wie vom LKW überfahren auf und muss sich mit bleischweren Gliedmaßen und einem Riesenschädel aus dem Bett quälen. Außerdem reicht die Energie meines Tages nur bis etwa nachmittags, danach geht es rapide bergab. In der Zeit erledige ich alle wichtigen Arbeiten für meinen Job, versuche so viel Haushalt wie möglich und Yoga zu machen - bevor die gesamte Energie schon wieder dahin ist. In schlimmen Fatigue-Phasen fängt es schon früh am Nachmittag an, dass ich kaum noch etwas auf die Reihe bekomme. An Ausdauersport ist da nicht mehr zu denken, vom Sofa aufstehen und ein Glas Wasser aus der Küche zu holen grenzt hier schon an das Extremsport.

Manchmal frage ich mich selbst, wie ich in Zeiten der schweren Fatigue mein Leben und meinen Job noch auf die Reihe bekomme. Aber ich bin dankbar und glücklich, dass ich es hinkriege und versuche mich davon nicht unterkriegen zu lassen.

 

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