Was suchen Sie?

Thema: Echt. MS?

1000 Gesichter: Dreh mit Jürgen und Elvira - Angehörige

Ein Traktor, ein Wohnmobil und zwei Scheunen fallen uns zuerst ins Auge, als wir auf den verschneiten Hof von Jürgen und Elviras Haus fahren. Verschiedene Baugeräte säumen die Wände rundherum.

Nachdem uns Jürgen in Empfang genommen hat und wir unser Equipment im Flur abgeladen haben, werden wir in den heimelig warmen und hellen Wintergarten des Hauses geführt, wo Elvira bereits auf uns wartet.
Auf den ersten Blick erscheint Elvira, wie sie uns dort mit neugierigem Blick erwartet, ganz normal. Nur der Rollator und der Bewegungstrainer in der Ecke deuten darauf hin, dass sie durch die MS gehbehindert sein könnte.
Nach einer Tasse Tee bin ich schon sehr neugierig auf Jürgens Blickwinkel und wir beginnen mit dem Interview. Er gibt uns viele tolle Einblicke in sein Leben als Angehöriger. Wie er den schleichenden Verlauf miterlebt hat. Wie die MS am Anfang über lange Zeiten einfach nicht präsent war, bis die Krankheit in den progredienten Verlauf überging.

Ein beschäftigter Mann

Eines wird recht schnell deutlich: Jürgen ist im Dorf gefragt und könnte sich immerzu beschäftigen. Er hilft gern aus – eine Hand wäscht ja bekanntlich die andere – und viele fragen ihn um Hilfe. Für ihn steht seine Frau und seine Familie jedoch an erster Stelle. Als er vor ca. zehn Jahren die Entscheidung für eine frühe Rente getroffen hat, empfand er das als erleichternd, da er die Pflege von Elvira und zum Teil auch seinen Eltern nun nicht mehr noch zusätzlich nach Feierabend vor sich hatte, sondern sich mehr darauf konzentrieren konnte.  
Jürgen nimmt sich bewusst Auszeiten. Er erzählt uns von seiner Mittagspause, in der er sich gern mal ein Stündchen hinlegt, von einem kleinen Waldstück, das ihm gehört und wo er häufiger mal Zeit verbringt – und er zeigt uns seine kleine Musikanlage. Im Wohnzimmer hat er sein Akkordeon an einen Verstärker angeschlossen und er stimmt ein paar fröhliche Tanzlieder für uns an.

Jürgen, der Hausmann?

Am Abend lernen wir die beiden leiblichen Kinder von Jürgen und Elvira kennen. Die Tochter wohnt noch mit im Haus, kümmert sich oft um das Abendessen und hilft auch sonst viel im Haushalt aus. Jürgens Rolle besteht, wie er selbst sagt, aus „Mach mal, geh mal, hol mal!“. Er ist sehr froh um die Hilfe seiner Tochter, da er nach eigener Aussage absolut kein Hausmann ist.

„Bei mir brennt sogar das Wasser an!“
Am zweiten Tag dürfen wir das neue Wohnmobil in Aktion erleben. Die Idee für die Anschaffung kam, als Jürgen auch mal eine Weile immobil war und gemerkt hat, was es für Elvira bedeutet,  wenig Bewegungsfreiraum zu haben. In letzter Zeit mag sie nämlich nicht mehr so gerne so häufig weggehen, weil immer das Problem mit der behindertengerechten Toilette besteht. Also hat Jürgen die Idee mit dem Wohnmobil gehabt, da dort immer die eigene Toilette mit dabei ist, egal wo sie hinfahren wollen.
Und nun entdecken die beiden Deutschland noch mal neu. Das Reisefieber knistert in der Luft.

Der Wille macht`s

Es ist sehr inspirierend, mit anzusehen, wie sehr sich Jürgen um Lösungen für die immer größer werdenden Einschränkungen seiner Frau bemüht. Er baut Dinge um, er erfindet Neues, er schmiedet Pläne. Er lässt sich nicht unterkriegen von den Veränderungen, die die MS in den Alltag bringt. Damit hinterlässt er einen echt starken Eindruck bei uns.  
„Wir wollen weiterleben! Wir wollen weiter lustig sein!“

Der Kamaramann
Ein Blick in den Wohnwagen
Ein Blick in die verschneite Straße
Das Kamarateam vor einem Brotladen