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Thema: Kinder

1000 Gesichter: Dreh mit Kirstin - Kinder

“Danke für deinen Film, jetzt kann ich meine Mama viel besser verstehen” – mit diesen Worten steht die junge Kristin nach einer Kino-Vorstellung von „Kleine graue Wolke“ vor mir und drückt mir ihr Handy in die Hand, um ein Selfie von uns zu machen.

Der Dreh mit Kristin

Ich bin spontan komplett baff von diesem mutigen Mädchen, was da so offen vor mir steht. Nachdem ich mich kurz darauf aus meiner spontanen Schockstarre erhole, wird mir klar, dass ich unbedingt einen Film über sie machen will. Die Sicht eines so jungen Mädchens auf die MS ihrer Mutter – das finde ich eine spannende Perspektive.

Wenige Minuten später lerne ich auch ihre Mutter kennen. Sie schmettert mir fröhlich entgegen, wie unglaublich glücklich sie während der Schwangerschaft mit Kristin war.

Zwei Monate später sitze ich mit meinem Filmteam in der Küche ihrer Wohnung und genieße das vorzügliche, in Gemeinschaftsarbeit der beiden gekochte, Gulasch. Für heute steht unsere erste Station – das Training im Zirkus – auf dem Programm. Kristin ist schon seit einigen Jahren dort und macht Akrobatik und Equilibristik.

Im bunten Zirkuszelt angekommen, werden wir herzlich von Projektleiter Tobias und den beiden Trainerinnen von Kristin begrüßt. Nachdem wir erst neugierig von Kids beäugt werden, nimmt das bunte Treiben seinen Lauf. In jeder Ecke des Zeltes wird eine andere Disziplin geübt. Wir besuchen auch noch zwei weitere Räume, in denen fleißig an verschiedenen Kunststücken geübt und vor allem viel gelacht wird. Die Freude, mit der die Teilnehmer ihre Disziplinen üben, ist direkt ansteckend.

Am nächsten Tag stehen die beiden Interviews mit Kristin und ihrer Mama an. Außerdem dürfen wir sie ein wenig in ihrem Alltag beobachten. Für mich ist es besonders spannend, wie viele Kleinigkeiten sich Kristin angewöhnt hat, um ihre Mutter zu entlasten. Vieles passiert ohne Worte, ganz nebenbei. Man spürt, wie gut das Mama-Tochter-Team funktioniert.

Auch wenn ich jetzt keinen direkten Vergleich in meinem Umfeld habe, muss ich schon sagen, dass mir Kristin deutlich reifer und verantwortungsbewusster erscheint, als andere Mädchen in ihrem Alter. Das mache ich nicht nur an der ganzen Hilfestellung fest, die sie ihrer Mutter gibt, sondern auch an vielen Bemerkungen, die so zwischendurch fallen. Als wir zum Beispiel zum Einkaufen aufbrechen, weist sie ihre Mutter darauf hin, dass sie bitte keine Plastiktüten benutzen möchten.

Der Dreh lässt mich einmal mehr tief beeindruckt nach Hause fahren. Aber auch nachdenklich. Kristin betont immer wieder, dass sie nichts anderes kennt und dass sie deswegen natürlich nicht sagen kann, was jetzt der Unterschied zu einer Mama ohne MS ist. Die Einschränkungen durch die Krankheit ihrer Mama gehören, seit sie geboren ist, zu ihrem Alltag. Und auch wenn ich denke, dass ich das mit dem Mama-Sein schon hinbekomme … in einer kleinen Ecke meines Hirns rumort die Frage, ob man Kindern in irgendeiner Art etwas zumutet, wenn man mit MS Diagnose Kinder bekommt? Nein – ist meine intuitive Antwort. Aber trotzdem bleibt diese Frage.

GZDE.MS.16.06.0626