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Thema: MS & Scham

Der Dreh mit Claudia - 1000 Gesichter

Es war Claudias entwaffnende Offenheit, die mich vor einiger Zeit über ihren Instagram-Kanal auf ihren Blog aufmerksam machte. Wir schrieben ein paar Mails hin und her, ich fragte sie, ob sie sich vorstellen könnte, an unserem Themenmonat „Scham“ teilzunehmen.

Als ihre Antwort in meinem Postfach eintraf, war ich einfach baff. Ihre Antwort lautete, dass sie sehr gerne über das Thema Sexualitätsstörungen reden würde. Wow. Das jemand von sich aus, der mich nicht persönlich groß kennt, eines der tabuisiertesten Themen der MS in unsere Filmemacher-Hände legen möchte, hat mich im positiven Sinne geflasht. 

Der Dreh in Freiburg
Freiburg ahoi!

Mein Team und ich machen uns also auf ins schöne Freiburg, wo Claudia und ich uns zum ersten Mal persönlich begegnen. Bei unserem ersten Kennenlern-Abendessen merke ich ziemlich schnell, dass das zwischen uns passt. Sie entführt uns danach spontan noch an einen wunderschönen Aussichtsort, von wo wir gemeinsam den Sonnenuntergang beobachten und den Anreisetag ausklingen lassen.

Am Morgen des ersten Drehtages zeigt uns Claudia einen Park, in dem sie oft spazieren geht. Sie verbringt auch sonst oft Zeit in der Natur. Später im Interview erzählt sie mir, dass es eine Zeit in ihrem Leben gab, in der sie sich komplett in der Wohnung verkrochen hat. Sie musste sich erst langsam wieder daran gewöhnen, raus zu gehen, Sonne und Sauerstoff zu tanken.

Eine Collage vom Dreh im Grünen

Während wir durch den Park laufen, entdecken wir eine Lichtung mit aus Baumstämmen geschnitzten Statuen. Ein irgendwie magischer Ort, wie ich finde. Er strahlt Ruhe aus.

Zum Ausklang unseres Natur-Tages dürfen wir Claudia nochmal an den Ort vom Kennenlern-Abend begleiten. Dort sitzt sie oft, um zurück ins Hier und Jetzt zu kommen, wenn der Kopf mal wieder zu voll ist. 

Wegbegleiter

Ohne zu wissen, woher sie kommt, festigt sich eine besondere Verbindung zwischen Claudia und mir. Obwohl wir das Interview als allerletztes führen und ich noch gar nichts so richtig von ihr weiß. Die Begegnung mit ihr kommt durch einen lustigen Zufall auch für mich persönlich zu genau dem richtigen Zeitpunkt.

Ihr Umfeld hat nicht immer Verständnis für Claudias Situation und Entscheidungen. Doch sie persönlich hat damit kein Problem und sieht das so: Jeder Mensch begleitet sie ein Stück ihres Lebensweges. Mit manchen geht sie ein großes Stück und mit manchen eben ein weniger großes. Ich mag diese Auffassung sehr.

Claudia in einer nachdenklichen Position

Neben dem Monatsthema sprechen wir auch viel darüber, wie sie die MS an sich empfindet. Obwohl Claudia schon auch täglich Symptome zu spüren bekommt, ist sie sich gar nicht sicher, ob sie die MS von heute auf morgen loswerden wollen würde. 

„Durch MS verlasse ich meine Komfortzone und nur dadurch wachse ich. Wenn ich die MS nicht mehr hätte, würde ich vielleicht aufhören zu wachsen.“

Am liebsten wäre ich am Ende noch ein paar Tage geblieben. Uns alle überkam der Trennungsschmerz, denn auch für mein Team waren es intensive, interessante und schöne Tage. Claudia hat uns alle drei sehr inspiriert.