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Thema: Angehörige und Freunde

Tausend Gesichter: Daniel

Bei jedem neuen Gesicht suche ich nach Worten diese Drehs zu beschreiben. Jeder ist anders, jeder ist besonders. Und jeder bringt eine bestimmte Energie mit sich.

Der Dreh mit Daniel

Die Energie, die uns bei Daniel empfangen hat, ist schwer in Worten nachzuvollziehen. Warm, herzlich, freudig, offen, ausgeglichen.

Als wir zum ersten Drehtag in seiner Wohnung erscheinen, radelt er gerade gutgelaunt an seinem Motomed und genießt die Sonne in seinem selbst erfundenem Solarium. Es besteht aus zwei Spiegeln, die die Sonne vom Fenster auf sein Gesicht lenken.

Ja, ich war nervös. Jedes Mal auf's Neue bin ich nervös und habe Angst in irgendwelche Fettnäpfchen zu treten. Selbst MS zu haben, schützt mich nicht unbedingt davor, ungeschickte Fragen zu stellen. Vor allem, wenn die Situation des Interviewten so dermaßen verschieden von der meinigen ist.

Kamerateam beim Dreh

Ein Blick in Daniels Augen hat diese Bedenken aber sofort weggefegt. Jede Minute mit ihm habe ich genossen. Wir haben viel gelacht, viel erzählt. Sein Vater stößt später am Tag dazu und teilt seine Geschichte mit uns. Er erzählt mir viele persönliche Gedanken aus der Anfangszeit von Daniels Krankheit, als man ihm noch nichts angesehen hat. Als er darüber redet, was Daniel in den letzten Jahren alles an Fähigkeiten verloren hat, kommen ihm die Tränen.

Der darauffolgende Tag ist geprägt von Daniels besten Kumpel Chucky. Wir dürfen die beiden zusammen erleben und reden über Freundschaft. Obwohl Daniel sagt, dass er sich gut umsorgt und besucht fühlt, findet es Chucky schade, dass sich viele immer weniger und weniger Zeit für Daniel nehmen. Er muss die anderen oft erinnern, sich mal wieder zu melden oder blicken zu lassen. Sogar an Daniels Geburtstag musste er die Leute zusammenkratzen.

Kamera-Team und Daniel

Chucky sagt es fast nebenbei - „Obwohl er im Bett liegt, vergess ich manchmal, dass er krank ist“ - ein Satz, der mich umhaut. Und der genau das beschreibt, was die beiden da haben. Eine Freundschaft auf Augenhöhe. Es ist keine Zweckfreundschaft, keine Mitleidsfreundschaft. „Wir nennen uns Brudi,“ erzählt mir Daniel lächelnd. Und wie Brüder behandeln sie sich auch. Der eine ist für den anderen da. Und die Krankheit ist so nebensächlich, wie sie das sein kann in Daniels Situation.

Zum Schluss zeigt Chucky uns noch die Trinkeinrichtung, die er für Daniel gebaut hat. Er hat noch verschiedene andere Dinge in Planung, die er erfinden und basteln will, um Daniel seinen Alltag im Bett zu erleichtern.

Daniel zu Hause

Während der Drehtage mit Daniel wuseln dann und wann seine Pfleger um uns herum. Sie haben einen sehr herzlichen Umgang alle miteinander, so dass ich den Eindruck habe, dass sie fast schon zur Familie gehören. Obwohl es nur Urlaubsvertretungen sind, wie wir erfahren.

Als wir uns verabschieden am letzten Drehtag, bleibt Daniels Ruhe und Gelassenheit noch lange präsent. Genauso wie das Gefühl von Wärme und Kraft.

 

GZDE.MS.16.12.1494