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Thema: Väter & MS

Tausend Gesichter: Michele

 

 

Der Dreh mit Michele

 

Als mein Team mit Sack und Pack zum ersten Drehtag vor Micheles Wohnungstür steht, kennen wir uns bereits vom vergangenen Perspektivwechsel-Dreh, zu dem sich Michele mit seinem Sohn Luca gemeldet hatte. Sie waren mir damals schon als bestens eingespieltes Papa-Sohn-Duo aufgefallen, so dass ich jetzt mächtig gespannt auf das Töchterchen Lenya bin.

Die Kinder sind noch in der Schule, als wir die Wohnung betreten. Nach einer herzlichen Begrüßung und der ersten Tasse Tee starten wir mit dem Interview. Wir reden über's Papa sein, über Micheles notwendige 180°-Wende vom Versorger zum Hausmann. Darüber, wie stark er sich umgewöhnen musste und schwer ihm das manchmal immer noch fällt. Ich mag es, einen Einblick in eine Familie zu bekommen, die noch nicht für alles eine Lösung gefunden hat. Die mitten im Prozess steckt.

Tochter von Michele

Michele erzählt mir außerdem von seinem großen Traum: einem eigenen Handbike. Er hat sich schon verschiedene Touren ausgedacht, die er damit fahren möchte. Am wichtigsten ist ihm allerdings, dass er mit seinen Kindern wieder mehr rauskommt. Seine Wohnung liegt an einem Hang, der für ihn mit dem Rolli recht beschwerlich zu fahren ist, so dass er oft nicht die Kraft für lange Ausflüge im Ort hat. Die Aussicht auf ein Handbike gibt ihm wieder neue Hoffnung. Und er kämpft für diesen Traum, denn sein Antrag wurde schon zweimal abgelehnt, aber er gibt sich noch nicht geschlagen. Am zweiten Drehtag bekommen wir dann den kleinen Wirbelwind Lenya vor die Linse. Wie Sohn Luca ist auch sie wie selbstverständlich hilfsbereit, wenn ihr Papa Hilfe braucht, aber ihr Umgang hat nochmal einen anderen Charakter. Man spürt, dass sie mit der MS ihres Papas groß geworden ist. Für sie ist das alles ganz normal: Der Rollator, der Rolli, der Gehstock. Dass Papa sich nicht so flink bewegen kann und dass Papa Pausen braucht.

Micheles Augen leuchten, wenn er von seinen Kindern spricht. Ich spüre, wie viel Kraft ihm seine Familie gibt. Doch er sagt selbst, dass er das manchmal nicht so zeigen kann. Er erinnert sich an eine vergangene Reha, in der er ein junges Mädchen kennenlernte, die sich auf der Reha von ihrem verständnislosen Freund trennte. Das ist für Michele ein Moment gewesen, dankbar für seine Frau Janet und für seine Familie zu sein. Denn sie unterstützen ihn, wo sie nur können, auch wenn es nicht immer ohne Diskussionen abläuft.

Im Garten

Wir begleiten Michele, Janet und Lenya auf den Spielplatz. Dort steigen sie gemeinsam auf die Wippe und albern herum. Wie eine ganz normale Familie eben. Beim Karusselfahren sind die Eltern raus, da sind wir mit Lenya auf uns gestellt und lassen uns mit ihr schwindelig kreiseln.

Luca bekommen wir nur kurz zu Gesicht beim Dreh. Michele spricht in höchsten Tönen von seinem Erstgeborenen. Lenya und Michele bereiten das Abendessen zu, während er den Tisch deckt.

Ein spannender und bereichernder Familiendreh geht zu Ende. Es war interessant zu beobachten, wie die beiden Kids mit der Krankheit ihres Papas umgehen. Und es war schön zu spüren, dass Michele trotz aller Probleme Motivation und Pläne hat, etwas in seinem Leben zu verändern.

Auf dem Spielplatz